Architektur entwerfen: 9 Schritte, zur besten Idee für deinen Architektur-Entwurf [2/3]

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Wenn mir ad hoc nicht DIE Idee für mein Architektur-Projekt einfällt, bearbeite ich zunächst die folgenden Punkte, um erste Ideen zu entwickeln.

Ich beschäftige mich mit allen Punkten, aber nicht immer ausführlich. Was ich wie ausführlich mache, hängt stark vom Projekt und der gestellten Aufgabe ab. Ziel des gesamten Entwurfsprozesses ist es, Zusammenhänge und Abhängigkeiten zu erkennen und daraus ein stimmiges Entwurfskonzept zu erarbeiten. Dieses beruht auf Fachwissen, Kreativität, räumlicher Vorstellungskraft und Kreativität. – Möglicherweise klingt das für dich SEHR abstrakt, aber im Laufe der Jahre wirst du verstehen, was ich meine.

Meine Ideen bündle ich analog in meinem Skizzenbuch UND digital bei Pinterest. Bei Punkt 7 kommen einfache Arbeitsmodelle hinzu. Im dritten Blogbeitrag erkläre ich dir noch einmal genauer, welche Arbeitsmittel ich verwende.

Ich durchlaufe die folgenden Punkte nicht nacheinander, sondern parallel. Mit Punkt 1 geht es aber IMMER los.

Architektur entwerfen: So komme ich zu meinen ersten Ideen

1. Aufgabenstellung genau lesen

Lies dir die Aufgabenstellung GENAU durch. Jedes beschriebene Detail ist ein Hinweis darauf, was dein_e Professor_in von dir erwartet.

Klingt simpel oder? Aber bereits hier machen viele den ersten Fehler.

Also: WAS soll, für WEN, WO entworfen werden? Welche Rahmenbedingungen sind vorgegeben? Welche Leistungen müssen erbracht werden? Welche Termine musst du einhalten?

Tipp: Hier findest du meine 7 Tipps für optimales Zeitmanagement.

2. Brainstorming

Fällt mir spontan etwas Gutes zur Aufgabe ein? Ganz gleich was es ist, ich notiere mir zunächst alle sinnigen und unsinnigen Gedanken in meinem Skizzenbuch und mache erste Skizzen. Von Farben, Materialien, Ideen wie ich ein Gebäude auf dem Grundstück platzieren kann, bis hin zu vollkommen fachfremde Gedanken halte ich ALLES fest.

Tipp: Egal wie abstrus deine erste Idee ist, notier sie dir und fertige erste Skizzen an.

Dir fällt noch nichts ein? Entspann dich und bearbeite die Aufgabe weiter.

3. Nutzerinnen & Nutzern: Personas beschreiben

„Personas“ ist ein Begriff aus dem Marketing und meint Modelle, die Personen einer Nutzergruppe in ihren Merkmalen charakterisieren. Kurzum, ich beschäftige mich intensiv mit den verschiedenen Nutzerinnen und Nutzern und lege umfangreiche Beschreibungen mit Foto und (ggf. fiktiven) Namen an.

Stelle dir zum Beispiel folgende Fragen: Wer wird dein Gebäude nutzen? Wie durchleben sie den Alltag in deinem Gebäude? Wofür interessieren sie sich? Mit welchen Schwierigkeiten haben sie zu kämpfen? Welche planerischen/baulichen Lösungen kannst du ihnen dafür anbieten? Welche (persönlichen, beruflichen, geschäftlichen, usw.) Entwicklungen werden deine Nutzerinnen & Nutzer im Laufe der Zeit durchmachen? Wie kann sich dein Gebäude dem anpassen oder aufkommende Herausforderungen lösen?

Tipp: Versetz dich in die Lage der Nutzerinnen und Nutzer! Das hilft dir, ihre Perspektiven auf dein Gebäude während des gesamten Entwurfsprozesses zu vertreten.

4. Gebäudetyp, Theorien und Thesen anderer Architekt_innen

Es gibt Gebäude großartiger Architektinnen und Architekten, die nicht nur in der Fachwelt, sondern auch von den Nutzer_innen geliebt werden. Wenn deinem Entwurfsprojekt keine Vorlesung oder kein Seminar in Gebäudelehre angegliedert ist, beschäftige dich eigenständig mit den Thesen und Theorien anderer Architekt_innen im Hinblick auf den Gebäudetyp deines Projektes.

Hier hilft neben dem Blick in entsprechende Sach- und Fachbücher auch ein Blick in Architektur-Magazine, die zu (gefühlt) 80% aus Projektvorstellungen bestehen.
Überraschung! 🙂 In deiner Hochschul-Bibliothek kannst du sowohl Sach- und Fachbücher als auch die Fachmagazine kostenlos lesen. Von Letzteren kannst du dir auch die älteren Ausgaben anschauen.

5. SWOT-Analyse des gesamten Kontextes

Architektur entsteht IMMER in einem Kontext, den du berücksichtigen solltest. Ganz gleich ob das ein Budget, das regionale oder möglicherweise internationale Umfeld (von den umliegenden Gebäuden, über das Stadtviertel und die Stadt, bis hin zum Land) mit seiner historischen, kulturellen, klimatischen und städtebaulichen Bedingungen oder schlichtweg die Nutzerinnen und Nutzer (siehe 3.) sind, die in deinem Gebäude einen Teil ihres Lebens verbringen sollen. Du solltest herausfinden, welcher Kontext für dein Projekt wichtig ist und diesen genau unter die Lupe nehmen.

Tipp: Hierfür eignet sich hervorragend die SWOT-Analyse; also die Analyse der Stärken, Schwächen, Chancen und Gefahren, die du erkennen und zu denen du eine Haltung entwickeln solltest.

Benötigst du weitere Hilfe?

Hast du schon eine SWOT-Analyse angefertigt oder benötigst du hierzu Hilfe? Falls ja, schreib es mir in die Kommentare!
Falls Bedarf besteht, erläutere ich diese Methode gerne noch einmal ausführlich.

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6. Raumprogramm

Lege das Raumprogramm deines Gebäudes fest und beachte die in der Aufgabenstellung formulierten Details. Denke darüber nach, wie Abläufe im Gebäude funktionieren könnten (= innere Organisation) und wie du bereits festgelegte Abläufe optimieren kannst.

Tipp: Wenn du einen Gebäudetyp bearbeitest, mit dem du dich noch nicht so gut auskennst, kann ein Blick in Neuferts Bauentwurfslehre oder passende Handbücher nicht schaden. Du findest dort Abmessungen, verschiedene Typologien, Funktionszusammenhänge und (z.T. veraltete!) Vorschriften. Nutze sie als Orientierung, nicht als Vorlage!

7. Formfindung

Meist beginne ich erst zum Schluss, mich mit einfachen Arbeitsmodellen aus kostenlosen/kostengünstigen Materialien an die richtige Form, Proportionen, Platzierungen auf dem Grundstück usw. heranzutasten.

Dafür müssen verschiedene Aspekte berücksichtigt werden, wie beispielsweise Einfahrten zum Grundstück, Himmelsrichtungen, Nachbarbebauung, diverse Richtlinien, Gesetze oder andere, entweder in der Aufgabe, über Erfahrungswerte/Wissen oder in der vergangenen Analyse ermittelte Faktoren. Natürlich ist hier das im Studium erlernte Fachwissen über Raumbildung und Körper essentiell.

Dieser Arbeitsschritt ist sehr experimentell und verläuft für mich am besten, wenn es bereits ein Umgebungsmodell gibt, das ich über Einsatzplatten mit verschiedenen Arbeitsmodellen nutzen kann.

Tipp: Bau das Umgebungsmodell gemeinsam mit deinen Kommilitonen, die das gleiche Projekt bearbeiten. Über Einsatzplatten kann es jeder nutzen. Das spart Geld, Zeit und Nerven.

8. Materialien und Konstruktionen

Auch die Auswahl passender Materialien und Konstruktionen beruht auf den vorher ermittelten Analyse-Ergebnissen, dem erlernten Fachwissen, Erfahrungswerten und der Aufgabenstellung.

Da ich gerne mit verschiedenen, ausgefallen Materialien experimentiere, dominieren diese häufig meine Entwürfe. Sie können sich aber auch aus der vorhergehende Analyse ergeben. Zum Beispiel könnten es typische Natursteine einer Region sein oder besondere klimatische oder auch konstruktive Anforderungen, z.B. zur Erdbebensicherheit. Die Konstruktion bzw. das statische Konzept kann selbst das Entwurfskonzept bzw. die Gestaltung des Gebäudes dominieren.

Bei Entwürfen, die erhöhte konstruktive Anforderungen haben, wie zum Beispiel Stadien mit großen Spannweiten in den Überdachungen, muss der konstruktive Entwurf bereits sehr früh in den Ideenfindungsprozess einfließen und zumindest eine grundlegende, konstruktive Idee vorhanden sein.

Tipp: Gebündeltes Fachwissen findest du in meinen Buchempfehlungen zu Baukonstruktion und Tragwerksplanung.

Du bist aufmerksam!

Das waren nur 8 der versprochenen 9 Tipps und du hast es gemerkt! In meinem dritten Blogbeitrag findest du Punkt 9 und weitere Tipps zum Entwerfen von Architektur.

Foto: © Fuse Brussels, unsplash.com

Showing 4 comments
  • Leonore
    Antworten

    Könntest du diese Methode noch einmal erläutern bitte. Vielen Dank dass du das alles machst. Ich fühle mich so nicht ganz so verloren 🙂

    • Anett
      Antworten

      Hallo Leonore, meinst du die SWOT-Analyse? Ja, mache ich gerne. Der ausführliche Blogbeitrag dauert etwas, aber kurz gesagt geht es um die Gegenüberstellung von Stärken und Schwächen, aus denen du dann Chancen und Risiken für dein Projekt ableiten kannst. Wenn du „SWOT-Analyse Stadtplanung“ googelst, siehst du, wie das aussehen kann. Liebe Grüße, Anett

  • Fatlinda
    Antworten

    Super Beitrag Anett!!
    Hat mir sehr geholfen über meine Entwurfs-Methode nachzudenken und diese zu überarbeiten =)
    Liebe Grüsse aus der Schweiz

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