9 Schritte, zur besten Idee für deinen Architektur-Entwurf | © Anett Ring, Architektur-studieren.info

Architektur entwerfen: 9 Schritte, zur besten Idee für deinen Architektur-Entwurf [2/3]

Dieser Blogbeitrag ist Teil der 3-teiligen Serie “Architektur entwerfen”

  1. So gehe ich Entwurfsprojekte an
  2. 9 Schritte, zur besten Idee für deinen Architektur-Entwurf
  3. Ideen festhalten, bündeln, weiterentwickeln

Keine Idee für deinen Entwurf? Das mache ich.

Wenn mir ad hoc nicht DIE Idee für mein Architektur-Projekt einfällt, bearbeite ich die folgenden Punkte, um erste Ideen für ein stimmiges Konzept zu entwickeln.

Ich beschäftige mich mit allen Punkten, aber nicht immer ausführlich.

Was ich wie ausführlich bearbeite, hängt stark vom Projekt und der gestellten Aufgabe ab.

Ziel des gesamten Entwurfsprozesses ist es, – step-by-step –

  1. Zusammenhänge und Abhängigkeiten zu erkennen,
  2. daraus ein stimmiges Entwurfskonzept zu erarbeiten
  3. und dieses als Leitfaden für die funktionale, technisch-konstruktive und visuelle Gestaltung zu nutzen.

Die Grundlage für all das ist Fachwissen, Empathie und Aufmerksamkeit, Kreativität und räumliche Vorstellungskraft. – Möglicherweise klingt das für dich SEHR abstrakt, aber im Laufe der Jahre wirst du verstehen, was ich meine.

Wo und wie sammle ich Ideen?

Meine Ideen bündle ich analog in meinem Skizzenbuch UND digital bei Pinterest.

Bei Punkt 7 kommen einfache Arbeitsmodelle hinzu.

Im dritten Blogbeitrag erkläre ich dir noch einmal genauer, welche Arbeitsmittel ich beim Ideen-finden verwende.

Architektur entwerfen: So komme ich zu ersten Ideen

Ich durchlaufe die folgenden Punkte nicht nacheinander, sondern parallel. Mit Punkt 1 geht es aber IMMER los.

1. Aufgabenstellung genau lesen

Lies dir die Aufgabenstellung GENAU durch.

Jedes beschriebene Detail ist ein Hinweis darauf, was von dir erwartet wird.

Klingt simpel oder? Aber bereits hier machen viele den ersten Fehler.

Also: WAS soll, für WEN, WO entworfen werden? Welche Rahmenbedingungen sind vorgegeben? Welche Leistungen müssen erbracht werden? Welche Termine musst du einhalten?

Tipp: Hier findest du meine 7 Tipps für optimales Zeitmanagement.

2. Brainstorming

Fällt mir spontan etwas zur Aufgabe ein?

Ganz gleich was es ist oder wie absurd es klingt, ich notiere mir zunächst alle sinnigen und unsinnigen Gedanken in meinem Skizzenbuch und mache erste Skizzen. Von Farben, Materialien, Ideen wie ich ein Gebäude auf dem Grundstück platzieren kann, bis hin zu vollkommen fachfremde Gedanken halte ich ALLES fest.

Tipp: Egal wie absurd deine erste Idee ist, bewerte sie noch nicht, sondern notier sie dir und fertige erste Skizzen an.

Dir fällt noch nichts ein? Entspann dich und bearbeite die Aufgabe weiter.

3. Nutzer*innen: Personas beschreiben

“Personas” ist ein Begriff aus dem Marketing und meint Modelle, die Personen einer Nutzergruppe in ihren Merkmalen charakterisieren. Kurzum, ich beschäftige mich intensiv mit den verschiedenen Nutzer*innen-Gruppen und lege umfangreiche Beschreibungen mit Foto und (ggf. fiktiven) Namen an.

Diese Fragen solltest du dir dabei stellen

  • Wer wird dein Gebäude nutzen? (Denk an alle!)
  • Wie durchleben diese Personen ihren Alltag in deinem Gebäude?
  • Wofür interessieren sie sich? Was ist ihnen wichtig?
  • Mit welchen Schwierigkeiten haben sie alltäglich zu kämpfen?
  • Welche baulichen Lösungen kannst du ihnen dafür anbieten?
  • Welche (persönlichen, beruflichen, geschäftlichen, usw.) Entwicklungen werden deine Nutzer*innen im Laufe der Zeit durchmachen?
  • Wie kann sich dein Gebäude dem flexibel anpassen oder aufkommende Herausforderungen lösen?

Tipp: Versetz dich in die Lage der Nutzer*innen! Das hilft dir, ihre Perspektiven auf dein Gebäude während des gesamten Entwurfsprozesses zu vertreten.
Falls du die Möglichkeit hast, befrage Vertreter*innen deiner Gruppen.

4. Gebäudetyp, Theorien und Thesen anderer Architekt*innen

Es gibt Gebäude großartiger Architekt*innen, die nicht nur in der Fachwelt, sondern auch von den Nutzer*innen geliebt werden.

Wenn deinem Entwurfsprojekt keine Vorlesung oder kein Seminar in Gebäudelehre angegliedert ist, beschäftige dich eigenständig mit den Thesen und Theorien anderer Architekt*innen im Hinblick auf den Gebäudetyp deines Projektes.

Zu (fast) allen Gebäudetypen gibt es FACHbücher, die fachlich-relevantes Wissen in Handbücher für dich gebündelt haben. Außerdem hilft ein Blick in entsprechende Architektur-Magazine, die zu (gefühlt) 80% aus Projektvorstellungen bestehen.
In deiner Hochschul-Bibliothek kannst du sowohl die Bücher als auch die Fachmagazine kostenlos lesen. Von Letzteren kannst du dir auch alle älteren Ausgaben anschauen.

5. SWOT-Analyse des gesamten Kontextes

Architektur entsteht IMMER in einem Kontext, den du berücksichtigen solltest.

Ganz gleich ob das…

  • ein Budget,
  • technisch-konstruktive Gegebenheiten,
  • das regionale oder möglicherweise internationale Umfeld (von den umliegenden Gebäuden, über das Stadtviertel und die Stadt, bis hin zum Land) mit seiner historischen, kulturellen, klimatischen und städtebaulichen Bedingungen
  • oder die Nutzer*innen (siehe 3.) sind, die in deinem Gebäude einen Teil ihres Lebens verbringen sollen.

Du solltest herausfinden, welcher Kontext für dein Projekt wichtig ist und diesen genau unter die Lupe nehmen.

Tipp: Hierfür eignet sich hervorragend die SWOT-Analyse; also die Analyse der Stärken, Schwächen, Chancen und Gefahren, die du erkennen und zu denen du eine Haltung entwickeln solltest.

6. Raumprogramm

Lege das Raumprogramm deines Gebäudes fest. Denke darüber nach, wie Abläufe im Gebäude funktionieren könnten (= innere Organisation) und wie du bereits festgelegte Abläufe optimieren kannst. Auch hier helfen dir wieder deine Personas.

Tipp: Wenn du einen Gebäudetyp bearbeitest, mit dem du dich noch nicht so gut auskennst, kann ein Blick in Neuferts Bauentwurfslehre oder passende Handbücher nicht schaden. Du findest dort Abmessungen, verschiedene Typologien, Funktionszusammenhänge und (z.T. veraltete!) Vorschriften. Nutze sie aber immer nur als Orientierung, niemals, wirklich nie als Vorlage!

7. Formfindung

Meist beginne ich erst zum Schluss, mich mit einfachen Arbeitsmodellen aus kostenlosen/kostengünstigen Materialien an die richtigen Formen, Proportionen, Platzierungen auf dem Grundstück usw. heranzutasten.

Dafür müssen verschiedene Aspekte berücksichtigt werden, die du – wenn du aufmerksam warst – schon in der SWOT-Analyse notiert hast (oder spätestens jetzt notierst).

Beispielsweise…

  • Einfahrten zum Grundstück,
  • Himmelsrichtungen,
  • Nachbarbebauung,
  • diverse Richtlinien, Gesetze
  • oder andere, entweder in der Aufgabe, über Erfahrungswerte/Wissen oder in der vergangenen Analyse ermittelte Faktoren.

Natürlich ist hier das im Studium erlernte Fachwissen über Raumbildung und Körper essentiell.

Dieser Arbeitsschritt ist sehr experimentell und verläuft für mich am besten, wenn es bereits ein Umgebungsmodell gibt, das ich über Einsatzplatten mit verschiedenen Arbeitsmodellen nutzen kann.

Tipp: Bau das Umgebungsmodell gemeinsam mit deinen Kommilitonen, die das gleiche Projekt bearbeiten. Über Einsatzplatten kann es jeder nutzen. Das spart Geld, Zeit und Nerven.

8. Materialien und Konstruktionen

Auch die Auswahl passender Materialien und Konstruktionen beruht auf den vorher ermittelten Analyse-Ergebnissen, deinem Fachwissen, Erfahrungswerten und der Aufgabenstellung.

Da ich gerne mit ungewöhnlichen Materialien experimentiere, dominieren diese häufig meine Gestaltung.

  • Als Erstes müssen sie meine Anforderungen in Sachen Nachhaltigkeit erfüllen.
  • Anschließend wähle ich passend zum aufgaben-spezifischen oder regionalen Kontext:
    • bspw. regionale Natursteine oder Hölzer,
    • Material, das alle spezifischen klimatischen und konstruktiven Anforderungen erfüllt, z.B. zur Erdbebensicherheit.

Die Konstruktion (bzw. das statische Konzept) kann selbst das Entwurfskonzept bzw. die Gestaltung des Gebäudes dominieren.

Tipp 1: Bei Entwürfen, die erhöhte technisch-konstruktive Anforderungen haben (z.B. Stadien mit großen Spannweiten in den Überdachungen), muss dieser Teil des Entwurf bereits sehr früh in den Ideenfindungsprozess einfließen und zumindest eine erste, konstruktive Idee vorhanden sein.

Tipp 2: Gebündeltes Fachwissen findest du in meinen Buchempfehlungen zu Baukonstruktion und Tragwerksplanung.

Du bist aufmerksam!

Das waren nur 8 der versprochenen 9 Tipps und du hast es gemerkt! In meinem dritten Blogbeitrag findest du Punkt 9 und weitere Tipps zum Entwerfen von Architektur.

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Beitragsbild(er): © © Fuse Brussels, unsplash.com
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