„Überlebenstipps“ für dein erstes Semester im Architekturstudium

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Dieser Artikel entstand auf Wunsch meiner Leser*innen. Er wurde als Wunschthema vorgeschlagen und in einer Umfrage im WhatsApp-Broadcast als Favorit der angehenden Studienanfänger*innen gewählt.

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Das erste Semester im Architekturstudium wirkt auf viele beängstigend. Das ist nicht verwunderlich, denn du musst dich an eine vollkommen neue Umgebung, an andere Regeln und Menschen gewöhnen. Wahrscheinlich studierst du zum ersten Mal in deinem Leben, bist als junge*r Erwachsene*r eventuell auch zum ersten Mal für deinen Alltag selbst verantwortlich und musst neue Freund*innen finden.

Hinzu kommt, dass die Arbeitsprozesse in Projekten und die vielen verschiedenen Studieninhalte im Architekturstudium wahrscheinlich vollkommen neu für dich sind. 

All das erfordert eine neue Art des Denkens und Arbeitens sowie persönlichen Einsatz, Selbstmotivation und gute Selbstorganisation um erfolgreich zu sein.

Um dir deinen Start etwas einfacher zu machen, habe ich dir 15 „Überlebenstipps“ für dein erstes Semester im Architekturstudium zusammengestellt.

"Überlebenstipps" für dein erstes Semester im Architekturstudium | © Anett Ring, Architektur-studieren.info

1. Bereite dich etwas vor

Bereite dich etwas vor, aber genieß auch deine freie Zeit vorm Studium. Hier im Blog findest du eine Checkliste, an was du nach deiner Zulassung zu einem Architektur-Studiengang und vor deinem ersten Tag an der Hochschule denken musst.

Lies bitte auch meinen Beitrag mit 11 Dingen, die du vor deinem Architekturstudium wissen solltest. 

Zudem habe ich zahlreiche Tipps zum Zeichnen lernen, für Arbeitsmaterial sowie Buchempfehlungen veröffentlicht, die du kennen solltest.

Weiterhin kannst du dir mein E-Book mit einer Einführung ins Technische Zeichnen anschauen. Das zu können, ist aber KEINE Voraussetzung vor Studienbeginn, es erleichtert dir lediglich den Einstieg und die ersten Monate im Studium.

2. Arbeite im Studio/Atelier

Wenn deine Hochschule dir Arbeitsplätze/Studios/Ateliers zur Verfügung stellt, solltest du sie nutzen.

Anfangs ist es etwas schwierig, weil du vielleicht niemanden kennst. Man lernt aber als „Leidensgenoss*innen“ im Studio superschnell einander kennen.

In vielen Studios/Ateliers herrscht auch eine gute Arbeitsatmosphäre: Man unterstützt sich gegenseitig, steht sich mental bei, tauscht wichtige Infos aus und feiert gute Partys zusammen. So kann man gemeinsam schwierige, stressige Phasen überwinden.

Übrigens: An manchen Hochschulen werden die Arbeitsplätze nach Semester vergeben. Das heißt, du triffst an deinem Arbeitsplatz nur andere Erstsemester-Studierende.

3. Nimm dir Zeit und lern deine Kommiliton*innen kennen

Du wirst die nächsten 3 bis 5 Jahre mit den meisten deiner Kommiliton*innen viel Zeit verbringen. Gute oder zumindest angenehme Beziehungen, machen dir dein Architekturstudium leichter.

Nutz am besten am Anfang die Chance, dass niemand niemanden kennt. Wahrscheinlich wird deine Hochschule und/oder deine Fachschaft Erstsemesterpartys, gemeinsames Grillen, Stadt-Ralleys oder ähnliches für die Orientierungswochen und Einführungsveranstaltungen organisiert haben. Geh dort hin, triff Menschen, die zu dir passen, und saug alle Informationen auf, die du bekommen kannst.

In den ersten Wochen solltest du dir auch die Zeit nehmen, um nach den Vorlesungen mit anderen in die Mensa oder auf einen Kaffee zu gehen.

Falls du introvertiert bist oder dich als socially awkward bezeichnest, ist das für dich vielleicht eine Herausforderung. Sei aber unbesorgt: ihr habt einige gemeinsames Themen, Fragen und gemeinsame Interessen (Architektur!), über die ihr leicht sprechen könnt und viele werden – genauso wie du? – niemanden kennen und neu in der Stadt sein.

Übrigens: Viele Freundschaften aus dem Architekturstudium halten echt lange und viele entscheiden sich später im Berufsleben für ein gemeinsames Architekturbüro.

4. Engagiere dich

Zum Beispiel in der Hochschulpolitik, im Hochschulsport, in einem Studentenclub (Party!), einer Kulturinitiative, bei EASA oder in einer anderen studentische Initiative, die zu deinen Interessen passt.

Das hilft dir, ältere Studierende und welche aus anderen Studienfächern kennenzulernen. Zudem kann dein Engagement ein guter Ausgleich zu deinem Architekturstudium sein und dich beruflich weiter bringen. Ehrenamtliches Engagement macht sich auch „gut im Lebenslauf“, wenn du dich z.B. für ein Stipendium bewerben möchtest.

5. Lerne von anderen

Dein Arbeits-, Denk-, Lern- oder Projektprozess kann allein mit dir selbst beginnen und es werden auch immer Phasen notwendig sein, in denen du allein und hochkonzentriert arbeiten möchtest.

Aber: Du solltest deine Gedanken und Ideen mit anderen teilen und sie zur Diskussion deines Projektes einladen. Ihre Kritik kann die Stärken oder Schwächen deiner Arbeit offenlegen, die du bisher noch nicht gesehen hast.

Natürlich kann es schwierig sein, wenn jemand deine Idee stark kritisiert. Aber auch dann musst du überlegen, ob du wirklich gute Argumente hast, wieso du etwas machst, wie du es machst. „Weil es schön aussieht“ oder „Weil es mir gefällt“ ist KEIN Argument und wird dir spätestens bei der Abschlusspräsentation um die Ohren fliegen.

Ebenso wichtig ist es, dass du deinen Kommiliton*innen ehrliches, aber wohl überlegtes Feedback zu ihren Projekten gibst, wenn sie dich darum bitten. Das hilft nicht nur den anderen, sondern auch dir. Du übst dabei, dich in andere Denk- und Arbeitsmethoden hinein zu versetzen, mitzudenken und zu verstehen.

6. Übe/lerne wöchentlich und bilde Lerngruppen

Dass im Architekturstudium die Prüfungen erst zum Ende des Semesters stattfinden, verleitet viele dazu, während des Semesters wenig bis gar nichts für andere Studieninhalte als Entwerfen zu tun. Das kann fatal sein, wenn du z.B. in Tragwerkslehre/Statik schon nach einer Vorlesung den Faden verloren hast und den Rest des Semesters nichts mehr verstehst. Denn in der Prüfungszeit wirst du noch mehr Stress haben und deine Zeit wird wahrscheinlich nicht ausreichen alle Inhalte, die du nicht verstanden hast, nachzuarbeiten.

Du solltest also bereits ab Semesterbeginn wöchentlich feste Zeiträume einplanen, in denen du Vorlesungen nacharbeitest, Übungen erledigst und lernst.

Sobald du deine Kommiliton*innen besser kennengelernt hast, kannst du mit ihnen Lerngruppen bilden, in denen ihr euch gegenseitig unterstützt. Wichtig ist, dass eure Gruppe nicht zu groß ist (max. 4 Personen ist ideal) und ihr wirklich regelmäßig und konzentriert arbeitet.

In meinem Blogbeitrag „Statik lernen: Prüfungsvorbereitung für Statik/Tragwerkslehre“ habe ich ausführlich beschrieben, wie ich (frühzeitig) an Prüfungen rangehe. Du kannst meine Tipps aber auf nahezu jedes beliebige Fach anwenden. 

Zudem solltest du dir schon einmal meine Tipps für besseres Zeitmanagement anschauen.

7. Hab dein Arbeitsmaterial zusammen

Im Architekturstudium kann eine gute Ausrüstung entscheidend für deinen Erfolg sein. Beispielsweise benötigst du einen Laptop mit ausreichend Leistung, um Architekturprojekte mit CAD-Programmen zu bearbeiten und Visualisierungen zu erstellen. Nichts ist frustrierender, als Projekte wegen schlechtem Materials nicht anfangen oder beenden zu können!

Meine Empfehlungen & Tipps: Du benötigst einen guten Laptop sowie Material zum Zeichnen, Skizzieren und für den Modellbau. Meinen Blogbeitrag mit Tipps zum Modellbau findest du in Kürze hier im Blog.

Vieles benötigst du nicht von Anfang an und ein paar Sachen hast du vielleicht noch aus deiner Schulzeit. Ich habe das in meinen Blogbeiträgen jeweils dazu geschrieben. Gutes Arbeitsmaterial verwendest du über dein gesamtes Architekturstudium und auch noch später im Berufsleben.

8. Pass gut auf dich auf

Dein Kalender ist voller Termine, du hast Stress im Architekturstudium und Zuhause warten noch etliche Aufgaben, die erledigt werden müssen. Um all das unter einen Hut zu bringen, vergessen wir manchmal uns selber.

Dabei ist es wichtig, auch dich selbst und deine Gesundheit zu achten, dir Auszeiten zu nehmen und für dich selbst gut zu sorgen.

  • Versuch möglichst viel Schlaf zu bekommen. Wenn du übermüdet bist, arbeitest du nicht mehr effektiv und machst vermehrt Fehler.
  • Ernähr dich möglichst gesund und nicht nur von Süßkram, Snacks und Junkfood.
  • Bau Bewegung an der frischen Luft in deinen Alltag ein. Entweder durch Sport oder indem du einen Teil deines Weges zur Hochschule zu Fuß oder per Rad zurück legst.
  • Komm aus deinem Architektur-Tunnel und gönn dir. Geh deinem Hobby nach, schau ’ne Serie bei Netflix oder triff dich mit Familie und Freunden. Mach, was dir gut tut und nichts mit Architektur oder deinem Studium zu tun hat.

9. Mach Hochschulsport

Im Architekturstudium wirst du viel drinnen rumsitzen. Zum Ausgleich und Stressabbau solltest du etwas Sport machen.

Die Angebote des Hochschulsports sind meistens super vielseitig und du kannst neue Sportarten für dich entdecken. Oft gibt es auch Entspannungskurse. Ich habe z.B. während meines Architekturstudiums Badminton, Trampolinspringen, Klettern, Yoga und verschiedene Entspannungstechniken ausprobiert.

Die Kurse sind entweder kostenfrei oder im Vergleich zu Kursen im Fitnessstudio sehr, sehr günstig. Um einen Platz zu bekommen, solltest du dich VOR Semesterbeginn über die Anmeldetermine informieren und am Anmeldetag sehr schnell sein – viele Sportkurse sind schnell ausgebucht.

Neben den positiven Effekten des Sport triffst du hier andere Studierende, die nichts mit Architektur am Hut haben.

10. Lies viel

Ich weiß, dass unsere Generation(en) als lesefaul gilt und viele Fachtexte nicht mehr verstehen. Die meisten sind überfordert und schalten nach ein paar Zeilen bereits ab.

Das musst du überwinden.

Du studierst Architektur, um Fachwissen zu erlangen. Das findest du weder in Instastorys, noch bei Youtube und kannst es dir auch nicht immer von anderen erzählen lassen. Wirklich nicht. Stattdessen musst du dir angewöhnen, Lehrbücher und Fachbücher zu lesen und zu verstehen. Versuch dir die Zeit dafür zu nehmen – es ist die effizienteste und beste Art zu lernen.

In meinen Bücherlisten findest du zahlreiche Empfehlungen zu verschiedenen Themen. Wenn ich dir nur EIN Buch empfehlen dürfte, dann wäre es „Architektur denken“* von dem renommierten Architekten Peter Zumthor.

11. Hab keine Angst vorm Modellbau

In meiner letzten Umfrage unter Erstsemestern haben einige erzählt, dass sie vor Studienbeginn Angst vorm Modellbau hatten. Die meisten waren nach den ersten Wochen im Architekturstudium aber überrascht, dass Modellbau doch nicht so schlimm ist.

Gleiches gilt natürlich auch für andere Studieninhalte und zum Beispiel das Zeichnen im Architekturstudium.

Du lernst alles notwendige im Architekturstudium oder durch „Learning-by-doing“. Im Studio/Atelier helfen dir sicher auch die Studierenden höherer Semester, wenn du sie um Hilfe bittest.

Hier im Blog werde ich dir in Kürze einige wichtige Tipps zusammen stellen. Außerdem findest du auf meiner Pinterst-Seite ein Board mit viel Inspiration für verschiedene Architekturmodell-Bauweisen.

12. Warte nicht darauf, dass andere dich unterrichten

Ganz gleich ob du Architektur oder etwas anderes studierst, ein Studium setzt immer deine Selbstmotivation und dein eigenes Engagement voraus. Wenn du also etwas bestimmtes lernen möchtest, erarbeite es dir im Selbststudium.

Zum Beispiel, wie man besondere Architekturvisualisierungen erstellt, gute Präsentationslayouts erstellt, mit speziellen Materialien im Modellbau arbeitet, mit ökologischen Baumaterialien arbeitet oder konstruktive Details entwickelt. Was auch immer dich interessiert und vorwärts bringt.

Ein paar Grundlagen wirst du im Architekturstudium lernen, aber wahrscheinlich nicht alle Tricks und Skills, die man so haben kann. Besorg dir also Fachliteratur (!) oder such dir Profis, von denen du lernen kannst.

13. Erfolgreich präsentieren

Du wirst im Architekturstudium viel präsentieren müssen. Bei manchen Projekten finden wöchentliche Konsultationen statt, hinzu kommen die Zwischen- und Abschlusspräsentationen aller Projekte.

Meine besten Tipps für Architekturpräsentationen findest du bereits hier im Blog. Falls dich die Vorstellung von Präsentationen verunsichert, findest du in diesem Blogbeitrag auch meine Erfahrungen dazu. Ging mir nämlich genauso. Falls du regelrecht Panik davor hast, solltest du nach professioneller Unterstützung Ausschau halten. Häufig bieten die Studierendenwerke (kostenlose) Kurse dazu an oder andere studentische Initiativen.

Bei Pinterest habe ich dir zudem verschiedene Layouts und Plangestaltungen beispielhaft zusammen gestellt.

14. Genieße die Zeit

Vor allem in stressigen Zeiten und Motivationstiefs solltest du dich daran erinnern, dass du freiwillig Architektur studierst und damit ein bestimmtes Ziel verfolgst. Frag dich in diesen Momente auch, was du benötigst oder dafür tun kannst, dass du deine innere Balance wiederfindest.

Nicht zuletzt sollte dir deine Zeit im Architekturstudium aber auch grundsätzlich Spaß machen. Die vielen verschiedenen Menschen, die an der Hochschule aufeinander treffen, die neuen Herausforderungen und all das neue Wissen und Denken, das dein Architekturstudium mit sich bringt, ist unglaublich spannend, – wenn du dafür offen bist.

15. Geh zu allen Veranstaltungen

Informationen und Wissen tragen zum Erfolg deines Architekturstudiums bei.

Deshalb solltest du zu ALLEN Veranstaltungen gehen, vor allem zu Einführungs- und Orientierungsveranstaltungen und ersten Vorlesungen und Übungen.

Dort werden bereits zu Beginn alle wichtigen Termine und Ansprechpartner*innen genannt, Kurse vorgestellt und gewählt, der Semesterablauf besprochen, der Zugang zu bestimmten Angeboten (z.B. Studios/Ateliers, Werkstätten, Bibliothek) geklärt, Gruppen für Gruppenarbeiten gebildet und vieles, vieles mehr.

Wenn du das verpasst, hast du die Arschkarte und niemand wird dir die verpassten Infos nachtragen.

Ich erlebe so oft, dass viele ihren Urlaub verlängern oder andere (private) Gründe vorschieben und dann den Einstieg ins Architekturstudium verpassen.

Brauchst du Hilfe?

Falls du mit kleineren und größeren Krisen zu kämpfen hast und allein nicht weiter kommst, gibt es viele verschiedene Hilfsangebote an den Hochschulen.

Je nach Art des Problems können das deine Kommiliton*innen, Professor*innen, Tutor*innen, der Fachschaftsrat, die Fachstudienberater*innen oder die zentrale Studienberatung, andere Personen oder Institutionen deiner Hochschule (z.B. Gleichstellungsbeauftragte oder Prüfungsämter) sein.

Auch die Studentenwerke bieten professionelle Hilfe zu unterschiedlichen Themen an. Zum Beispiel psychologische Beratung bei Prüfungsangst oder Problemen mit dem Zeitmanagement, finanziellen Notsituationen, Hilfe zum Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten oder Beratung für Studierende mit Migrationshintergrund oder mit Kind.

Falls du keinen Ansprechpartner*in findest, kannst du auch mich kontaktieren. Zum Beispiel über meinen WhatsApp-Broadcast. Bedenke aber bitte, dass ich keine Studienberatung oder psychologische Beratung anbiete. Wir können aber gemeinsam überlegen und recherchieren, wo du professionelle Unterstützung bekommen könntest.

Beitragsbild: Emre Gencer, unsplash.com

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