5 Schritte, mit denen du dich im Entwerfen verbesserst

Ich habe dir auf Architektur-studieren.info ausführlich erklärt, wie ich Entwurfsprojekte angehe und Ideen & Konzepte für meine Entwürfe finde.
Wie du weißt, reicht es aber nicht, dich 1:1 an Anleitungen zu halten und am Ende hast du ein gutes Entwurfsprojekt.

Das Ganze ist deutlich komplexer.

Du benötigst auch Entwurfsfähigkeiten, die maßgeblich von deinem Fachwissen und von Übung, aber bspw. auch Begabungen, Motivation, Rahmenbedingungen und Erfahrungen beeinflusst werden.

Einen großen Teil des Fachwissens bekommst du an deiner Hochschule vermittelt. Dort darfst du auch das Entwerfen von Architektur jedes Semester üben. Parallel tragen aber auch andere Ressourcen und Fähigkeiten dazu bei, dass du deine Entwurfsfähigkeiten entwickeln und verbessern kannst.

Diese Entwicklung braucht bei den meisten Architektur-Studierenden etwas Zeit. Das Wichtigste was du brauchst, um deine Entwurfsfähigkeiten im Architekturstudium zu verbessern, ist also Geduld, Ausdauer und Vertrauen in dich selbst.

Aber lass uns mal schauen, was du aktiv dazu beitragen kannst, um deine Entwurfsfähigkeiten im Architekturstudium zu verbessern.

So verbesserst du dich im Architekturstudium | © Architektur-studieren.info

So kannst du deine Entwurfsfähigkeiten im Architekturstudium verbessern

1. Lies mehr

Lesen sollte zu deinen täglichen Aufgaben gehören – und sei es nur für 20 Minuten. Bestenfalls bedienst du dich dabei an einem Mix aus Sach- und Fachbüchern sowie Unterhaltungsliteratur (Romane, Krimis, Science-Fiction,…).

Sach- und Fachbüchern fördern dein Wissen über verschiedene Architekturstile und -theorien. Um so mehr du darüber weißt, um so größer wird dein Pool aus dem du beim Entwerfen schöpfen kannst. Such dir hierfür Bücher über Architekturtheorie(n), von und über Architekt*innen sowie bereits realisierte Bauprojekte.

Unterhaltungsliteratur fördert dein kreatives Denken. Obwohl die handelnden Figuren, Orte, Szenen und Landschaften oftmals nicht sehr langatmig beschrieben werden und es meist auch keine Fotos davon gibt, entstehen in deinem Kopf Bilder. Das liegt daran, dass beim Lesen deine Vorstellungskraft auf Hochtouren läuft. Und die wiederum ist eine Grundvoraussetzung für Kreativität.
Notfalls kannst du hierbei auf Hörspiele und Hörbücher zurückgreifen.

2. Stell Fragen und sei kritisch

Als Architekturstudent*in hast du jeden Tag Profis um dich herum, die du mit deinen Fragen löchern solltest: z.B. Professor*innen, Gast-Dozent*innen und Tutor*innen.

Scheu dich nicht davor, sie anzusprechen. Du kannst von ihnen lernen und ihr Wissen für die Verbesserung deiner Entwurfsfähigkeiten nutzen.

Manchmal wirst du im Gespräch feststellen, dass du mit dem was sie sagen nicht einverstanden bist. Aber hör erst einmal zu. Andere Positionen aufnehmen zu können, fördert ebenso dein kritisches Denken wie du aktive Diskussion.
Zudem kannst du auch die Erkenntnis, das du etwas anders siehst oder anders machen würdest, ein Fortschritt für dich sein.

Tipp: Fast alle Hochschulen organisieren Vortragsreihen für ihre Architektur-Studierenden. Dort sprechen Architekt*innen und andere Menschen aus der Branche. Geh dort hin, auch wenn dich das Thema auf den ersten Blick nicht vom Hocker reißt. Notfalls kannst du das anschließende Come-together für den Austausch mit anderen Personen nutzen.

3. Schärfe deinen Blick auf Architektur

Nimm deine bebaute Umwelt wahr, erkenne ihre Schwächen, Stärken, Chancen und Herausforderungen. Hinterfrag sie.

Entdecke dabei Neues und schau dir an, wie sich andere Personen an diesem Ort bewegen und verhalten.

Du musst dafür nicht in die weite Welt reisen, du kannst auch den Ort deiner Kindheit oder die Stadt/Region in der du lebst neu entdecken. Wichtig ist, dass du deinen Blick in eine Richtung lenkst, in die du bisher noch nicht geschaut hast, und kritisch denkst.

So kannst du vorgehen

Kempel deinen Alltag um. 

Geh einen anderen Weg von der Hochschule nach Hause,  fall nicht direkt aus dem Atelier in die Straßenbahn, sondern geh ein Stück zu Fuss, oder setz dich in ein Straßencafé und beobachte bei einem guten Kaffee aufmerksam deine Umwelt.

Was fällt dir auf? Welche Elemente bestimmen diesen Raum? Wer hält sich hier auf? Wie fühlst du dich in diesem Raum? Was hörst, siehst und riechst du? Und warum ist das alles so, wie es ist?

Versuch diesen Ort zu unterschiedlichen Tageszeiten zu besuchen und nimm verschiedene Blickwinkel ein.

Dokumentiere deine Erlebnisse und Erkenntnisse in deinem Skizzenbuch mit Zeichnungen und Notizen.

Musst du dafür in andere Länder reisen?

Nein!

Natürlich ist es toll, wenn du in andere Länder reisen und andere Kulturen kennenlernen kannst – Reisen sind eine große Inspirationsquelle. Wenn dir dazu – wie mir übrigens auch im Architekturstudium – die Zeit und/oder das Geld fehlen, ist das nicht zwingend notwendig.

Du kannst bspw. auch dein Semesterticket nutzen und einen Ausflug am Wochenende machen. Oder, wie oben beschrieben, deinen Alltag leicht umkrempeln und mit wenig Zeitaufwand deine direkte Umgebung anders kennenlernen. Du kannst das Schärfen deines Blickes auf Architektur auch bei deinem Wocheneinkauf üben, indem du zu einem Treffen mit Freund*innen 15 Minuten früher vor Ort bist oder beim Besuch bei deiner Familie ihren/euren Wohnort mal genauer, anders anschaust.

4. Bleib auf dem Laufenden

Bleib auf dem Laufenden über aktuelle Architekturthemen und -Diskussionen innerhalb und außerhalb der Branche sowie zu technischen Innovationen.

Mit Wissen um z.B. die neuesten Gebäudetechnologien, Bautechniken, Gesetze und Normen oder Bausoftware stellst du sicher, dass du dich weiterentwickeln kannst.

Über aktuelle Bauprojekte, Debatten und Diskussionen innerhalb der Architekturbranche und außerhalb – in der gesamten Gesellschaft, einer Stadt oder Region –, solltest du dich informieren, um dein kritisches Denken zu stärken und dich davon inspirieren zu lassen.

Auf dem Laufenden zu bleiben ist ganz einfach: Lies regelmäßig Blogs und (Online-)Magazine, die sich mit Architektur beschäftigen. Folge deren Social-Media-Kanälen und/oder abonnier ihre Newsletter/Magazine.

Meine Favoriten findest du hier: 11 Blogs und (Online-)Magazine, die du lesen solltest. Aktuelle Debatten und Architekturthemen teile ich zudem im „Status“ meines WhatsApp-Broadcasts und auf Twitter (@stadtsatz).

5. Nimm Kritik an

Architektur ist subjektiv, hat aber auch objektive Qualitätskriterien.

Das ist großartig und gleichzeitig eine echte Herausforderung. Es wird nämlich immer Menschen geben, die deine Arbeit (milde gesagt) nicht so toll finden und vielleicht auch noch im sachlichen Argumentieren ungeübt sind.

Du kannst diese Herausforderung aber auch als Chance für dich nutzen und deine Professor*innen, Dozent*innen, Architekt*innen, Kommiliton*innen oder Freund*innen um eine Kritik deines Entwurfs bitten. Das hilft dir, einen anderen Blick auf deine Arbeit einzunehmen und aus ihren Erfahrungen sowie von ihrem Wissen zu lernen.

Steh dabei selbstbewusst hinter deiner Arbeit, aber hör dir ihre Kritik aufmerksam an (bevor du darauf reagierst) und denke anschließend in Ruhe darüber nach, was du davon umsetzen möchtest und wo du dein eigenes Konzept besser findest. Nimm Kritik nicht persönlich, sondern argumentiere sachlich. Erkenne, wenn deine Argumente doch nicht so gut sind.

Das setzt natürlich voraus, dass du ein Entwurfskonzept hast.

Beitragsbild: © Riccardo Oliva

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