11 Dinge, die du vor deinem Architekturstudium wissen solltest

Der Wechsel von der Schule zur Hochschule wirbelt dein Leben auf und sorgt für ordentlich Aufregung, Ängste und Sorgen. Als erfolgreiche Absolventin möchte ich dir für dein erstes Semester ein paar Hinweise und Tipps mit auf den Weg geben.

1. Semesterferien sind keine richtigen Ferien

Der Schein trügt, denn „Semesterferien“ nennt man in Wirklichkeit nur die „vorlesungsfreie Zeit“. Und das bedeutet, dass du in dieser Zeit durchaus Pflichtpraktika oder Blockseminare absolvieren oder Seminararbeiten, Studienarbeiten oder deine Abschlussarbeit schreiben musst. Zudem nimmt häufig auch die Prüfungszeit mehrere Wochen der „Semesterferien“ ein.

Wenn du unterm Strich noch eins, zwei Wochen freie Zeit für Urlaub und Erholung übrig hast, ist das schon eine ganze Menge.

2. Wähle deine Arbeitsmittel sorgfältig aus

Ein solider Laptop hält dein gesamtes Architekturstudium durch und schafft auch die anspruchsvollen 3D-Modelle und Renderings, die du in höheren Semestern anfertigen wirst. Ein gute externer Monitor hilft dir zudem dabei, größere Projekte zu bearbeiten und schont auch deine Augen. In diesem Blogbeitrag gebe ich dir allgemeine Tipps, worauf du bei deinem Laptop achten musst und erzähle dir, welchen ich nutze.

Deine Zeichen- und Skizzensachen sowie dein Modellbaumaterial solltest du ebenfalls sorgfältig auswählen. Du wirst damit sehr viel Zeit verbringen. Es sollte also deinen Ansprüchen und auch denen deiner Professor*innen gerecht werden und dir Freude beim Arbeiten bereiten. Ein gut in der Hand sitzender Cutter, eine Schneidematte und ein Schneidelineal mit Fingerschutz schützen zudem deine Gesundheit und sind nicht mal sehr teuer. Setze auf qualitativ hochwertiges Arbeitsmaterial, an dem du lange etwas hast.

In diesem Blogbeitrag zeige ich dir, welches Zeichen- und Skizzensachen ich während des Studiums und nun im Berufsleben nutze.

3. Studieren ist GANZ anders, als zur Schule zu gehen

Natürlich weißt du das bereits. Aber der springende Punkt ist, dass dich niemand zum Lernen motivieren wird oder kontrolliert, ob du deine Aufgaben ordentlich erledigst. Auch ob du zur Vorlesung gehst oder deine Projekte stetig bearbeitest, entscheidest du ganz allein.

Oder anders gesagt: Du bist spätestens jetzt erwachsen und für dich selbst verantwortlich, auch wenn es mal richtig scheiße läuft. Es liegt an dir ALLEIN, das Beste aus deinem Architekturstudium zu machen. Und ja, es ist für deine berufliche und private Zukunft klug, das auch zu tun. Deshalb…

4. Verbünde dich mit deinen Kommiliton*innen

Das Konkurrenzdenken, das viele Architekturstudent*innen haben, ist Bullshit. Im Architekturstudium sind Studentinnen und Studenten nicht im Wettbewerb gegeneinander. Wenn andere etwas gut machen, wertet das deine eigene Leistung NICHT ab!

Begegnet euch auf Augenhöhe und unterstützt euch! Lernt gemeinsam für Prüfungen und lasst andere von eurem Wissen profitieren. Fragt einander um Hilfe und gebt sie euch auch. Baut Umgebungsmodelle für eure Entwürfe gemeinsam – das spart Geld, Zeit und Nerven für alle. Bildet ausgeglichene Teams und gebt euch Feedback zu euren Entwürfen.

Teamgeist schützt euch auch vor Anonymität, zusätzlichem Druck und sozialen Stress. Letzteres führt übrigens zu Kreativitätstiefs und die kann im Architekturstudium niemand gebrauchen.

5. „Mein Kommilitone hat aber gesagt…“ – „Im Internet habe ich aber gelesen…“

Erst rate ich dir, mit anderen zusammen zu arbeiten, und dann sollst du nicht auf sie hören?! Aber es ist so: Viele Infos werden an der Uni per „stille Post“ weitergegeben. Jeder „hat gehört, dass…“ und leider passiert es ständig, dass diese Info am Ende gar nicht stimmt. 

Wenn es also um Informationen zu studienrelevanten Veranstaltungen oder gar Prüfungen geht, solltest du dich lieber nicht blind auf deine Kommiliton*innen oder vermeintlich guten Ratschlägen aus den Social Media verlassen. Informiere dich lieber gründlich selbst, denke nach und verifiziere deine Quellen auf Glaubwürdigkeit. Nimm die Verantwortung für dein Architekturstudium ernst!

Lies dir zum Beispiel selbst die Studien- und Prüfungsordnungen durch und wirf einen Blick in die Richtlinien für Pflichtpraktika. Dann weißt du bereits, welche Module du wann belegen musst, welche Lehrveranstaltungen dazu gehören, wie viele und welche Wahlpflichtkurse du belegen musst, welche Prüfungen anstehen, welche Fristen du beachten musst und vieles mehr.

Bei Fragen kannst du dich an das Prüfungsamt, das Dekanat oder die zuständigen Professor*innen und Dozent*innen wenden. Auch das Fakultäts- oder Fachbereichssekretariat ist meist eine gute Anlaufstelle, zum Beispiel für vermeintlich ausfallende Lehrveranstaltungen.
Wenn du nicht weißt, wohin du dich mit deinem Problem wenden sollst, kannst du auch mich kontaktieren. Zum Beispiel über meinen WhatsApp-Broadcast.

6. Nächte durcharbeiten ist ätzend und vor allem sinnlos

Du hättest es auch selbst gemerkt, aber ich sage es dir lieber vorher: Es bringt NICHTS, wenn du all deine Projekte, Präsentationen und Aufgaben erst auf den letzten Drücker bearbeitest. Du musst dich dazu aufraffen, rechtzeitig selbstständig aktiv zu werden und den ganzen Kram konsequent bearbeiten, sobald du die Aufgabe(n) gestellt bekommst. Denn niemand wird hinter die stehen und dir sagen, dass du jetzt aber wirklich mal anfangen musst… weil, naja, das ist auch dein Job.

Das bedeutet: Streng dich ab der ersten Woche des Semesters an und bekomm dein Studium in den Griff.

Wenn du halbwegs gut organisierst bist, gibt es nur einen einzigen Grund, dein Modell um 3 Uhr morgens vor der Präsentation zu bearbeiten: einen Notfall.
Dass du ein Chaot bist, ist kein Grund. Arbeite an dir selbst und/oder such dir dafür die notwendige Unterstützung.

Denn machen wir uns nichts vor: Durchzuarbeiten macht keinen Spaß. Du bist unkonzentriert, brauchst müde für alles doppelt so lange, machst unzählige, eigentlich vermeidbare Fehler und entsprechend schlecht ist deine Leistung. Red Bull schmeckt ohne Wodka auch ziemlich ekelhaft.

7. Praktika sind gut für den Berufseinstieg

Praktika sind super, wenn du noch nicht ganz genau weißt, welchen Berufsweg du einschlagen möchtest. Sie sind aber auch von großem Vorteil, um erste Berufserfahrungen – zum Beispiel im Architekturbüro – zu sammeln und ggf. deine beruflichen Ziele anschließend anzupassen. 

Wenn dein Architekturstudium kein Pflichtpraktikum vorsieht, kannst du dazu eventuell die „Semesterferien“ nutzen oder dir zwischen deinem Bachelor- und Master-Studium einen Job suchen. Neben dem Architekturstudium zu arbeiten, schaffen viele zeitlich nicht. Wenn du aber zur Finanzierung deines Studiums auf den Verdienst angewiesen bist, kannst du versuchen, einen Nebenjob in einem Architektur- oder Planungsbüro oder zum Beispiel als wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in zu bekommen. Mehr Tipps für Nebensjobs findest du in diesem Blogbeitrag auf Architektur-studieren.info

Apropos Verdienst: Beschäftige dich mit den gesetzlichen Voraussetzungen für den Mindestlohn! Der steht dir in einigen Fällen zu, wird aber gerne „unterschlagen“.
(Schau dir den Link an! Das ist eine super Orientierung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.)

8. Es ist ok deine Ziele zu ändern

Früher wolltest du immer Stararchitekt*in werden und Wolkenkratzer bauen, aber jetzt bist du dir gar nicht mehr so sicher, ob du dich nicht lieber auf ökologisches Bauen spezialisieren solltest. Vielleicht fragst du dich auch, ob der Beruf Architekt*in überhaupt etwas für dich ist. 

Das ist vollkommen okay! 

Pläne zu haben ist super, aber Pläne sind NIE in Stein gemeißelte Tatsachen. Ebenso wie du dich über die Jahre veränderst, verändern sich deine Vorstellungen vom Leben und was du damit anfangen willst.

Überlege einfach, welche Aspekte des Architekturstudiums bzw. des Berufs Architekt*in dir gefallen und wo du etwas vermisst oder andere Vorstellungen hattest. Bleib motiviert, mach dich auf die Suche nach neuen Zielen, überlege wie du dahin kommst, was du dafür tun musst und für welche Kompromisse du bereit bist. Und dann: Mach dich auf den Weg.

9. Studierende schlafen bis Mittags

Es ist sehr verlockend in den Federn liegen zu bleiben, wenn es bei der ersten Vorlesung des Tages keine Anwesenheitspflicht gibt.

Es gibt aber auch ein paar Vorteile, zu einer vernünftigen Uhrzeit aufzustehen. Zum einen wirst du den Tag viel produktiver nutzen und mehr erledigen können. Zum anderen wirst du auch keinen Kulturschock bekommen, wenn du im Praktikum auf „das echte Leben“ triffst. 

Zudem fällt es an kleinen Hochschulen und Universitäten den Professor*innen auf, wenn du ihre Veranstaltungen nicht besuchst. (Ich spreche da aus Erfahrung. 😬) Das wird dir natürlich negativ angekreidet und wahrscheinlich werden sie dich bei der Möglichkeit damit konfrontieren. Ziemlich unangenehm!

Du möchtest in deinem Architekturstudium etwas lernen. Dazu gehört, sich aktiv an Vorlesungen & Übungen zu beteiligen.

10. Das Internet – dein Freund und Feind

Das Netz ist super, um bei Architektur-studieren.info vorbei zu schauen ;) und um für deine Referate erste Informationen zu recherchieren. Du wirst um einen Blick in entsprechende Fachbücher mit seriösen, fachlich-fundierten Informationen aber nicht herum kommen.

Wirklich nicht.

Und wo wir gerade dabei sind: Beschäftige dich mit dem wissenschaftlichen Arbeiten* – daran geht kein Weg vorbei, es wird im Studium aber häufig als Vorwissen vorausgesetzt.
Ein erster Tipp vorab: „Wikipedia“ ist keine seriöse Quelle, „Quelle: Google“ geht überhaupt nicht.

Aber wir müssen auch über Instagram und Co. reden: Social Media ist großartig, um mit Freunden in Kontakt zu bleiben, random YouTube-Stars zu stalken und Fotos von dir zu teilen. Achte aber bitte auf deine Privatsphäre-Einstellungen und stell nicht alles online! Sonst wird es schnell peinlich, wenn du während eines Vorstellungsgesprächs die Eskapaden aus deiner Studienzeit erklären musst.

11. Es geht alles verdammt schnell!

Eben hattest du noch die Einführungsveranstaltung – ZACK – und jetzt steht schon dein Abschlussball an. Irgendwie ist so ein Architekturstudium doch verdammt kurz und muss von Anfang an gut genutzt werden. Nutze die Zeit, um dein Leben als Student*in zu genießen, erkunde die Welt und schau über alle deine Tellerränder, nimm so viel Wissen mit, wie du bekommen kannst, und probiere dich im Architekturkosmos aus! 

Beitragsbild: Andres Gerlotti, unsplash.com

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