Die perfekte Mappe

An vielen Hochschulen zählt die Abgabe einer „Künstlerischen Mappe“ zu den Zulassungsvoraussetzungen zum Architekturstudium. Entsprechend sorgfältig solltest du deine Mappe erstellen.

Hilfe, wenn du eine Mappe erstellen musst

Am hilfreichsten wurden von meinen Leser_innen Mappenkurse und Mappenvorbereitungskurse empfunden. Diese werden zum Beispiel von Volkshochschulen, Kunstakademien, Hochschulen/Unis und selbstständigen Künstlern angeboten. Von Online-Angeboten rate ich ab. Zum einen, weil der Vorteil von Mappenkursen in der persönlichen Betreuung und Hilfe beim künstlerischen Erschaffen liegt und zum anderen, weil mir bisher noch kein seriöses Angebot begegnet ist. Google also lieber, welche Angebote es in deiner Nähe gibt.

Auch Hochschulen und Unis bieten gelegentlich Mappen(vor)besichtigungen bzw. -Mappenberatungen im Vorfeld der Bewerbung an. Diese finden in der Regel einige Monate vor der Bewerbungsfrist statt. Informiere dich also rechtzeitig!

Zudem solltest du, ergänzend zu diesen beiden Angeboten, einen Blick in entsprechende Sachbücher zur Mappengestaltung werfen. Hier im Blog habe ich bereits das Buch „Mappenvorbereitung: Künstlerische Grundlagen“ vorgestellt und auch in meinem Blogbeitrag „Skizzieren und Zeichnen lernen“ findest du empfehlenswerte Bücher und zahlreiche Infos & Tipps zum Thema. Empfehlen (mit kleinen Einschränkungen) kann ich dir aber auch das Buch „Die perfekte Mappe“*, das ich dir im Folgenden kurz vorstellen möchte.

Rezension/Buchtipp „Die perfekte Mappe“

"Die perfekte Mappe" – Architekturstudium | vorgestellt auf Architektur-studieren.info

„Die perfekte Mappe“ – Architekturstudium | vorgestellt auf Architektur-studieren.info

Die perfekte Mappe„* von Andreas Modzelewski und Regine Hellwig-Raub richtet sich an alle Studienbewerber_innen von Design-Studiengängen. Das heißt, dass es sich nicht nur für Bewerber_innen zum Architekturstudium, sondern auch z.B. für die Studiengänge Innenarchitektur, Kommunikationsdesign, Modedesign oder Cinematographie gedacht ist.

Die verschiedenen Design-Studiengänge und die dazugehörige Berufsbilder werden im ersten Kapitel des Buches beschrieben. Leider haben sich in diesem und im folgenden Kapitel zum Bewerbungsverfahren einige inhaltliche Fehler zum Architekturstudium und zum Beruf Architekt_in eingeschlichen, weswegen ich das Buch nur eingeschränkt empfehlen kann. [Hier erläutere ich, was im Buch „Die perfekte Mappe“ falsch beschrieben wird und nenne dir die richtigen Informationen.]

Informativ und mit vielen praktischen Tipps versehen sind hingegen die Kapitel, die sich mit dem Aufbau und Inhalt einer Mappe beschäftigen und auch jenes, welches „Do’s and Don’ts bei der Mappenerstellung“ zusammenfasst. Zudem werden dir gute Tipps für die Werke in deiner Mappe gegeben und erläutert, wie du diese Arbeiten aufbereiten solltest und welches Beiwerk noch in eine Mappe gehört. Hilfreich sind auch die Hinweise, wie du deine Zeit einteilst, um eine Mappe zu erstellen und wie lange das überhaupt dauert (Spoiler: länger, als viele denken!).

Auch wenn du mal ein „Kreativitätstief“ hast oder nicht weißt, wie du zu frischen Ideen für die Werke in deiner Mappe kommst, haben die Autoren Anregungen und Kreativitätstechniken parat. Besonders wichtig finde ich die Empfehlung, all deine Ideen – ganz unabhängig von der Erstellung einer Mappe – in Skizzenbüchern festzuhalten. Das sind nicht nur schöne Zeichenübungen, sondern bereitet dich auch auf das Architekturstudium vor, wo du ständig neue Ideen z.B. für Entwürfe entwickeln musst. Spätestens dann wirst du merken, dass dir Ideen oder Lösungen für Probleme an den unmöglichsten Orten und zu denkbar blöden Zeiten kommen werden. Es hilft ungemein, wenn du sie dann schnell notierst und eine kleine Skizze anfertigst.

Hier im Blog zeige ich dir auch meine liebsten Skizzenbücher und worauf du bei deiner Wahl achten solltest. Ich erläutere zudem, wieso das Skizzieren mit einem Stift auf Papier nicht durch Zeichenapps ersetzt werden kann.

Auch werden als Beispiele jeweils zwei Studierende der unterschiedlichen Fachbereiche interviewt und ihre „erfolgreichen Mappen“ kurz vorgestellt. Leider fällt dies wirklich sehr kurz aus: es werden nur drei bis vier einzelne Werke und nicht die gesamte Mappe gezeigt. Im Bezug auf die wichtige Komposition und Abstimmung der Werke wäre dies hilfreich gewesen.

Werke Architektur betrachten | vorgestellt auf Architektur-studieren.info
© Samuel Zeller

Eingeschränkte Empfehlung: Inhaltliche Fehler im Buch zu Studium und Beruf

Im Buch heißt es auf Seite 45, dass „du im Anschluss an dein Bachelor-Studium einen anerkannten Masterstudiengang absolvieren“ musst, um „später nicht nur als Angestellter in einem Architektur-, Ingenieur- oder Konstruktionsbüro“ tätig sein zu können. Dies ist jedoch falsch! In Deutschland ist es möglich, mit dem erfolgreichen Abschluss eines 8-semestrigen Bachelor-Studiengangs in die Architektenkammer aufgenommen zu werden. Warum diese Aufnahme wichtig für dich sein kann, erfährst du in diesem Blogbeitrag: „Berufsbezeichnung Architekt_in„.

Auch ist die im Buch aufgestellte Behauptung, dass man nach dem Studium Architekt_in sei (Seite 45) und es keine anderen Berufsbezeichnungen gäbe, falsch! Nach dem Studium trägst du als Berufsbezeichnung deinen erworbenen akademischen Titel, z.B. B.A. Architektur oder M.A. Architektur. Erst mit der erfolgreichen Aufnahme in die Architektenkammer darfst du dich in Deutschland „Architekt“ bzw. „Architektin“ nennen. Hierfür sind neben dem erfolgreich abgeschlossenen Studium min. 2 Jahre Berufserfahrung nachzuweisen, die nach dem Architekturstudium erworben wurden. Die Regelungen in anderen Ländern sind ähnlich.

Zudem sind die Informationen im Infokasten zu Beginn dieses Kapitels falsch (Seite 45). So beträgt die Regelstudienzeit für das Bachelor-Studium 6 bis 8 Semester (nicht: 6-7 – der gleiche Fehler findet sich im vorgehenden Kapitel zum Studiengang Innenarchitektur) und als Studienabschlüsse können neben dem erwähnten Bachelor bzw. Master of Science (B.Sc./M.Sc.), Bachelor bzw. Master of Arts (B.A./M.A.), unter anderem auch der Bachelor bzw. Master of Engineering (B.Eng./M.Eng.) vergeben werden.

Auch die Informationen zum Bewerbungsverfahren zum Architekturstudium (S. 81, Kapitel 2) sind zu allgemeingültig verfasst. Es kann gut sein, dass dein Eignungsfeststellungsverfahren inkl. deiner Mappenabgabe nach dem beschriebenen Schema abläuft, es kann aber auch ganz anders organisiert sein. Die Hochschulen legen die Verfahren eigenständig fest. Du solltest dich also bei der Anmeldung zum Eignungstest bzw. der Bewerbung noch einmal genau bei allen Hochschulen, an denen du dich bewirbst, über den Ablauf informieren. Erste Infos finden sich meist auf der Hochschulwebsite. Lies sie dir aufmerksam durch!

Transparenz: Bitte hab Verständnis dafür, dass ich nur die für Architektur- und Innenarchitektur-Bewerber_innen relevanten Informationen auf Korrektheit geprüft habe. Die im Buch getroffenen Aussagen zu anderen Studiengängen und Berufen kann und möchte ich nicht bewerten.

Beitragsbild: © Yoann Siloine

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