Im Architekturstudium entwirfst du häufig Dinge, die später nur die wenigsten Architekt*innen planen: repräsentative Bauten wie Museen, Bibliotheken, Sportstadien oder Kulturzentren.
Das wirkt schnell unrealistisch. Vor allem, wenn du weißt, dass die meisten Architekt*innen später Wohnungsbauten oder Gewerbliche Bauten planen und vor allem eher Umbauten oder kleinere Projekte machen.
Klar entsteht dabei der Eindruck, dass das Studium wenig mit der Praxis zu tun hat.
Studio ist nicht dafür da, Realität abzubilden
Die Aufgaben im Studio sind bewusst so gewählt, dass sie dir möglichst viel Freiheit geben.
Weniger Vorgaben, weniger Einschränkungen, weniger Budgetdruck.
Das Ziel ist nicht, reale Projekte zu simulieren, sondern zu lernen, wie du Entwürfe entwickelst.
Warum gerade Museen, Bibliotheken und ähnliche Aufgaben?
Projekte wie Museen und Bibliotheken haben einen Vorteil: Sie lassen viel kreativen Spielraum.
- Experimentelle Grundrisse oder Materialwahl
- Offene Nutzungskonzepte
- (Vermeintlich) weniger standardisierte Abläufe
Dadurch kannst du dich stärker mit dem Entwurf von räumlichen Ideen beschäftigen, statt nur Vorgaben abzuarbeiten.
Was du dabei eigentlich lernst
Auch wenn die Aufgabe unrealistisch wirkt, geht es um grundlegende Fähigkeiten:
- Wie du Ideen entwickelst
- Wie du Rahmenbedingungen analysierst
- Wie du ein Konzept formulierst
- Wie du Entscheidungen begründest
Diese Fähigkeiten brauchst du später bei allen Bauaufgaben – unabhängig vom Projekttyp. Gleichzeitig hast du im Berufsalltag weniger Zeit dafür, musst diese Prozesse also verinnerlicht haben und sie automatisch abrufen und umsetzen können.
Warum sich das trotzdem falsch anfühlen kann
Oft fehlt die Einordnung durch Profs, warum du Architektur entwerfen an solchen unrealistischen Projekten übst.
Wenn dir nicht klar ist, warum du etwas machst, kann das zufällig wirken und den Anschein haben, dass dich das nicht zu deinem Ziel führt Architekt*in zu werden.
Dann entsteht schnell Frust.
Wie du mehr Realitätsbezug bekommst
Wenn dir dieser Bezug fehlt, kannst du ihn dir selbst ergänzen:
- Mitarbeit an realen Projekten während Praktika und Nebenjobs
- Teilnahme an Wettbewerben für Architektur-Studierende
Dort lernst du, wie Entwürfe unter echten Bedingungen funktionieren.
Was du aus realitätsfernen Projekten mitnehmen kannst
Architekturstudium und Praxis sind keine Gegensätze, sondern ergänzen sich.
- Das Architekturstudium legt die Grundlage dafür, wie du denkst und arbeitest.
- Die Praxis zeigt dir später, wie du das anwendest.
Deshalb bist du nach deinem Architekturstudium kein*e Architekt*in, sondern erst, nachdem du ausreichend Berufspraxis in verschiedenen Bereichen gesammelt hast.
Fällt dir der Übergang schwer?
Gerade der Schritt von abstrakten Aufgaben zu klaren Entwürfen ist für viele schwierig.
Wenn du das Gefühl hast, deine Entwürfe bleiben unklar oder überzeugen nicht, hast du wahrscheinlich Entwurfsprozesse noch nicht richtig verstanden oder verinnerlicht. Oder kannst noch keine guten Argumente für stimmige Konzepte liefern.

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