Architektur zeichnen: Einführung ins Technische Zeichnen & korrekte Maßstäbe

Architektur zeichnen: Einführung ins Technisches Zeichnen + Maßstäbe | © Anett Ring, Architektur-studieren.info

Was ist Technisches Zeichnen?

Technische Zeichnungen haben das Ziel, Gebäude oder Teile von Gebäuden genau zu beschreiben und darzustellen.

In der Architektur sind Technische Zeichnungen unentbehrlich.

Die Idee von einem Bauwerk wird mittels technischer Zeichnungen für alle am Bau Beteiligten in eine einheitliche Zeichensprache übersetzt, anhand derer das Gebäude geplant und realisiert wird. Technische Zeichnungen sind also ein Kommunikationsmittel und müssen für alle eindeutig, präzise und verständlich sein.

Um diese Eindeutigkeit und Verständlichkeit herzustellen, wurden zahlreiche Normen und Regeln festgelegt, die du spätestens im Architekturstudium lernen musst. Definiert sind zum Beispiel Linienarten und Linienstärken, die Verwendung von Farben, die Schraffuren und Farben von geschnittenen Flächen oder wie die Zeichnungen mit Maßen und Beschriftungen versehen werden müssen.

Technische Zeichnungen berücksichtigen anhand dieser formalen Sprache jedes Element eines Bauprojekts. Die fertigen Pläne enthalten Informationen wie Maße, Formen und Materialien.

In den verschiedenen Planungs- und Umsetzungsphasen eines Gebäudes gibt es dabei verschiedene Anforderungen an die technischen Architekturzeichnungen. Diese dürfen z.B. nicht zu wenige, aber auch nicht zu viele Informationen enthalten.

Wer fertigt Technische Zeichnungen an?

In der Architektur werden Technische Zeichnungen u.a. von Architekt*innen, Ingenieur*innen oder auch Bauzeichner*innen angefertigt. Bauzeichner*innen sind durch ihre Ausbildung darauf spezialisiert, technische Zeichnungen zu erstellen.


Wie unterscheidet sich Technisches Zeichnen vom Künstlerischen Zeichnen und Skizzieren?

Technisches Zeichnen hat vorrangig keinen künstlerischen oder kreativen Anspruch, erfordert aber ebenso gute Fähigkeiten im Zeichnen und Darstellen.

Arbeitsmaterial und Zeichenwerkzeug: Was benötigst du zum technischen Zeichnen?

Manuelles technisches Zeichnen

Hier findest du eine vollständige Übersicht über das beste Arbeitsmaterial fürs Architekturstudium: Materialliste für Architektur-Studierende & Architekt*innen

Technisches Zeichnen mit CAD-Programmen

Neben dem manuellen technischen Zeichnen wird mittlerweile überwiegend mit CAD-Programmen gearbeitet.

Hier findest du:

Technisches Zeichnen mit Tuschestift oder CAD: Was solltest du lernen?

In einer guten Hochschule lernst du beide Methoden – das manuelle technische Zeichnen und CAD – kennen. Denn auch heute noch ist es wichtig, die Grundregeln des technischen Zeichnens per Hand zu beherrschen, z.B. um schnelle, korrekte technische Skizzen anfertigen zu können.

Die hier vorgestellten Normen gelten sowohl für das Technische Zeichnen mit Tuschestiften als auch für das Technische Zeichnen mit CAD-Programmen.

Zeichnungsmaßstäbe in der Architektur

Zeichnungsmaßstäbe geben das Verhältnis eines gezeichneten Bauteils zu seiner realen Größe an.

Zum Beispiel stellt ein Plan in 1:100 das reale Gebäude 100x kleiner dar.

Wie wählt man den korrekten Maßstab aus?

Die Anwendung der Zeichnungsmaßstäbe wird in der internationalen Norm ISO 5455 geregelt.

Zudem hängt der korrekte Maßstab von der Komplexität der abzubildenden Realität und vom Zweck der Darstellung ab. Die in meiner Tabelle genannten typischen Verwendungen von Maßstäben können sich also z.B. bei besonders kleinen oder großen Gebäuden verändern.

Wie du siehst, verwendet man in der Architektur Maßstäbe, die ein schnelles Umrechnen ermöglichen. Um dir das Umrechnen zu erleichtern, gibt es auch Architektur–Dreikantmaßstäbe*. Das sind Lineale mit drei Kanten, auf denen verschiedene Maßstäbe abgebildet werden.

Gängige Maßstäbe und ihre Anwendung in der Architektur

MaßstabTypische Anwendung
1 : 1.000
1 : 500
Lagepläne
1 : 500
1 : 200
Vorentwurfspläne
1 : 100 Entwurfspläne und Pläne für Bauanträge/ Bauvorlagen/ Baugesuche
1 : 50Ausführungspläne/Werkpläne
1 : 20
1 : 10
1 : 5
1 : 2
Detailzeichnungen

Umrechnung von Maßstäben

Um reale Längen in die Abbildungsgrößen umzurechnen (oder umgekehrt), muss man nur den sehr einfach Dreisatz mathematisch beherrschen.

Beispiel 01: Reale Länge in zu zeichnende Länge umrechnen

Reale Länge: 2,50 m
Gewünschter Maßstab: 1: 100
Rechnung und Lösung: 2500 mm / 100 = 25 mm

Beispiel 02: Gezeichnete Länge in reale Länge umrechnen

Gezeichnete Länge: 3,20 cm
Maßstab: 1 : 50
Rechnung & Lösung: 3,20 cm x 50 = 160 cm

Beispiel 03: Maßstab ausrechnen

Reale Länge: 15 m
Länge in der Zeichnung: 7,5 cm
Rechnung & Lösung: 15.000 mm / 75 mm = 200 => Maßstab: 1 : 200

Maßstäbe in CAD verwenden

Bevor du eine Zeichnung in CAD erstellst, solltest du den finalen Maßstab festlegen.

Diesen legst du vor allem anhand der Inhalte, die abgebildet werden sollen, und damit an der Funktion der technischen Zeichnung sowie am Stand deiner Planungen fest.

Achte am besten darauf, dass bereits in der Zeichnungsebene der gewünschte Maßstab eingestellt ist. Nur so kannst du kontrollieren, dass du auch maßstabsgerecht – also entsprechend der Normen und Regeln – zeichnest.

Architekturstudium: Maßstab für Kommunikation deiner Ideen korrekt verwenden

Im technischen Zeichnen ist der Maßstab mehr als eine mathematische Umrechnung. Er bestimmt, welche Informationen eine Zeichnung transportiert und welche bewusst weggelassen werden.

Architekturstudierende sollten Maßstab deshalb nicht nur als Pflichtangabe verstehen, sondern als kommunikative Entscheidung.

Ein Lageplan im Maßstab 1:500 zeigt andere Zusammenhänge als ein Grundriss im Maßstab 1:100 oder ein Fassadendetail im Maßstab 1:20. Während im Lageplan 1:500 die Beziehung des Gebäudes zu Grundstück, Straße, Nachbarbebauung und Freiraum im Vordergrund steht, rücken in anderen Maßstäben Raumproportionen, Wandstärken, Öffnungen, Materialschichten und konstruktive Anschlüsse in den Fokus.

Häufigster Fehler: Informationsdichte

Architektur-Studierende wählen häufig die falsche Informationsdichte in ihren Technischen Zeichnungen, um möglichst viele Informationen zeigen zu können. Dadurch sind ihre Zeichnungen schnell überladen und nur noch schwer lesbar. Das führt dazu, dass man deine Ideen nicht mehr ausreichend nachvollziehen kann.

Korrekte technische Zeichnungen filtern Informationen, je nach Maßstab der Zeichnung.

Beispiel: Im Maßstab 1:200 müssen nicht alle Fugen oder Materialschichten dargestellt werden; im Maßstab 1:20 wäre ihr Fehlen problematisch.

Entscheidend ist also nicht nur, ob eine Zeichnung korrekt skaliert ist, sondern ob sie im gewählten Maßstab die richtigen Informationen zeigt.

Zeithäufigster Fehler: Staffage

Auch falsch skalierte Staffage ist sehr häufig problematisch.

Menschen, Bäume, Autos oder Möbel dienen dazu, Größenverhältnisse verständlich zu machen. Sind sie zu groß oder zu klein, verändert sich die Wahrnehmung des gesamten Entwurfs.

Arbeitszeit sparen durch Wahl des korrekten Maßstabs

Besonders bei Abgaben ist es hilfreich, den Maßstab früh festzulegen. So kannst du deine Grundrisse, Schnitte, Ansichten, Details und Modelle gezielter und mit der gewünschten Informationsdichte aufbauen.

Checkliste: Ist der Maßstab korrekt angewendet?

Vor der Abgabe lohnt sich eine kurze Kontrolle:

  • Wurde im CAD-Modellbereich in realen Einheiten gezeichnet?
  • Ist der Maßstab im Layout oder Ansichtsfenster korrekt eingestellt?
  • Sind alle Zeichnungen eindeutig mit ihrem jeweiligen Maßstab beschriftet?
  • Wurde beim PDF-Export und Ausdruck darauf geachtet, dass keine automatische Seitenanpassung aktiviert ist?
  • Sind Linienstärken, Schraffuren, Texte und Symbole im gewählten Maßstab korrekt gewählt und gut lesbar?
  • Zeigen deine Zeichnung genau die Informationen, die in diesem Maßstab für dein Projekt relevant sind?

FAQ – Häufig gestellte Fragen


„1:100“ oder auch „M 1:100“ gibt in einem Grundriss oder einer anderen Bauzeichnung den Maßstab 1:100 an.

Konkret bedeutet 1:100, dass 1 Zentimeter in der Zeichnung 100 Zentimeter des realen Gebäudes entsprechen.

Maßstabsgetreue Darstellungen können den Originalmaßstab (1:1) zeigen, einen Verkleinerungsmaßstab (1:n) oder Vergrößerungsmaßstab (n:1).

In der Architektur werden vor allem Verkleinerungsmaßstäbe verwendet.

Häufige Modellmaßstäbe sind 1:50, 1:100 und 1:200. Was du wählen solltest, hängt davon ab, ob das Modell eher Raumwirkung, Städtebau oder Details zeigen soll.

Linienstärken, Schraffuren und Beschriftungen müssen maßstabsabhängig angepasst werden. Zudem muss – je nach Maßstab – auch der Inhalt der Zeichnung an die jeweilige Informationstiefe angepasst werden.

Vereinfachtes Beispiel: Ein Plan in 1:500, mit dem du deinen städtebaulichen Entwurf zeigst, enthält andere Informationen als ein Ausführungsplan 1:20, der Handwerkern die technische Umsetzung deines Entwurfs erklären soll. Diese Informationstiefe verändert auch, welche Linienstärken, Schraffuren und Beschriftungen du verwenden musst.


Autorin

Anett Ring ist Expertin fürs Architekturstudium & den Beruf Architekt*in.