Zulassungsvoraussetzungen und -beschränkungen für ein Architekturstudium (Übersicht)

Für die Zulassung zum Architekturstudium musst du an vielen Universitäten, Kunstakademien und Hochschulen in Deutschland nicht nur eine entsprechende Berufs- oder Schulausbildung (siehe auch: Architektur studieren ohne Abitur) vorweisen können, sondern auch andere Zulassungsvoraussetzungen erfüllen. In den unterschiedlichen Auswahlverfahren wird deine Eignung für ein Architekturstudium geprüft und auch die Ernsthaftigkeit, mit der du es anstrebst.

Allgemeine Informationen

Aktuell gibt es in Deutschland keine einheitliche Regelung zur Zulassung zum Architekturstudium. Das heißt, die Zulassungsvoraussetzungen und -beschränkungen zum Architekturstudium sind von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich. Was an einer Hochschule gilt, kann an einer anderen ganz anders geregelt sein.

Die Termine für die Zulassungs- und Auswahlverfahren, insbesondere für die Mappenabgabe und Eignungstests, liegen häufig mehrere Monate vor den üblichen Bewerbungsterminen. Du musst dich also rechtzeitig bei jeder einzelnen Hochschule informieren und für das Zulassungsverfahren anmelden. Häufig finden die Auswahlverfahren nur einmal im Jahr statt.

Im Folgenden habe ich dir eine Übersicht der typischen Zulassungsvoraussetzungen für ein Bachelor-Studium in Architektur zusammengestellt. Für ein Master-Studium sind meist andere Zulassungsvoraussetzungen, wie zum Beispiel deine Bachelor-Note oder dein Portfolio mit Studienprojekten und anderen Arbeitsproben, wichtig.

Falls du einen ausländischen Hochschulzugang bzw. Bildungsabschluss hast, gelten für dich meist weitere Zulassungsvorraussetzungen. Auf den Websiten der Hochschulen findest die Informationen häufig unter den Menüpunkten „Internationale Bewerber“, „Ausländische Studienbewerber“, „Internationales“ oder beim „Akademischen Auslandsamt“.

ARCHITEKTUR-STUDIEREN.INFO UNTERSTÜTZEN
Wenn Du über den folgenden Link etwas bei Amazon kaufst oder bestellst, erhalte ich dafür eine kleine Provision. Dir entstehen dadurch keine zusätzliche Kosten! Mir hilft es jedoch sehr, die Kosten des Blogs (z.B. Domain, Webspace) abzudecken und die Seite für dich zu betreiben.

NC (Numerus Clausus)

Der Numerus Clausus (NC) wird häufig missverstanden: Der NC ist nicht dein Notendurchschnitt und steht auch nicht vorab fest, sondern ist eine Auswahlgrenze, die erst nach Eingang aller Bewerbungen festgelegt wird. Gehen mehr Bewerbungen ein, als Studienplätze vorhanden sind, werden nur die Besten zugelassen.

Für das Studienfach Architektur gibt es in Deutschland keinen einheitlichen NC, die Hochschulen legen den NC jedes Semester neu fest („Hochschulinterner NC“).

Der NC kann also nicht im Vorfeld bekannt sein, sondern erst nachdem alle Bewerbungen eingereicht wurden. Die NC-Werte aus den letzten Jahren können dir ein Anhaltspunkt sein, aber du solltest dich von ihnen nicht abhalten lassen, dich trotzdem zu bewerben! Schließlich weißt du im Vorfeld nicht, wie gut/schlecht deine Mitbewerber sind.

Aus den eingereichten Bewerbungen wird eine Durchschnittsnote errechnet, die mindestens vorliegen muss, um zugelassen zu werden. Zudem fließt die Anzahl der Wartesemester in die Zulassungsgrenzen ein. (Achtung: Als Wartesemester zählen nur Semester, in denen du nicht an einer deutschen Hochschule eingeschrieben warst!)

Es können aber auch andere Kriterien in den NC einfließen, wie zum Beispiel Noten in bestimmten Schulfächern oder deine Ergebnisse aus anderen Zulassungsvoraussetzungen (z.B. die Bewertung einer Mappe). Welche genau das sind, erfährst du bei den jeweiligen Hochschulen.

Eignungstest („Eignungsfeststellungsverfahren“)

Wie auch die anderen Auswahlverfahren, sind die Eignungstests von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich. Um dich darauf vorzubereiten, findest du auf den Websiten der Hochschulen, die Eignungstests durchführen, Informationen zu den Aufgaben die du vor Ort oder vorab lösen musst.

„In einem Auswahlverfahren (Eignungstest) soll der Bewerber nachweisen, dass er die künstlerische und technische Befähigung besitzt, um das Studienziel zu erreichen.“ (Quelle: HTWK Leipzig)

Die Dauer des Eignungstest und auch die Aufgaben die du erfüllen musst, sind sehr unterschiedlich. Fast immer gehört aber eine zeichnerisch-gestalterische Prüfung dazu, in der du „live“ etwas zeichnen, konstruieren oder entwerfen musst. Denk also unbedingt daran, passende Zeichenmaterialien mitzunehmen (evt. unterschiedliche Papiere, Stifte, usw.) und dich entsprechend vorzubereiten.

Gelegentlich muss man eine der Testaufgaben („Hausaufgabe“) bereits zu Hause vorbereiten und im Eignungstest einer Gruppe von Studienbewerbern, Studierenden und Professoren vorstellen. Das ist nicht so schlimm, wie es sich anhört. Lies dir dir Aufgabe genau durch und bereite dich gewissenhaft vor.

Auch persönliche Gespräche zu deinen beruflichen Zielen und deinen Vorstellungen vom Studium und dem Beruf Architekt, gehören sehr häufig zu solchen Tests. In der Regel wird auch grundlegend dein Interesse an der Architektur überprüft und geschaut, inwiefern du dich schon mit der Thematik auseinander gesetzt hast. Dabei sind Fragen zu deinen Lieblingsarchitekten oder -Bauwerken durchaus an der Tagesordnung.

Zum Beispiel im Eignungstest der HTWK Leipzig werden folgende Kriterien beurteilt:

  • „konstruktiv-technische Auffassungsfähigkeit
  • räumliche Vorstellungskraft
  • zeichnerische Darstellungsfähigkeit
  • künstlerisch-gestalterische Kreativität.“

Auch die Hochschule Augsburg testet ähnliche Begabungen und Fähigkeiten:

  • „räumliches Vorstellungsvermögen
  • Darstellungs- und Kommunikationsvermögen
  • technisches Verständnis
  • Wahrnehmung und Informationsverarbeitung
  • Kreativität und Phantasie
  • Teamfähigkeit
  • Arbeitsverhalten und Motivation“

Hast du bereits an einem Eignungstest teilgenommen?

Ich möchte gemeinsam mit euch Aufgaben sammeln, die wir in Eignungstests lösen mussten. Damit können wir anderen Studienbewerbern helfen, sich auf diese Tests etwas vorzubereiten. Erzähl bitte in den Kommentaren, bei welchen Eignungstests du warst und welche Aufgaben gestellt wurden!

Vorpraktikum

Je nach Hochschule können notwendige Praktika vor dem Studium als Baustellen- oder Büropraktikum geleistet werden. Das heißt, du kannst es im Bauhauptgewerbe, im Baunebengewerbe, in Architekturbüros und/oder in der Verwaltung ableisten. Du solltest dir vor Beginn deines Praktikums die Richtlinien für Praktika ganz genau durchlesen und/oder dir von der Hochschule (schriftlich) bestätigen lassen, dass dein Praktikum mit den darin geleisteten Tätigkeiten akzeptiert wird. In den Zulassungsvorraussetzungen wird auch die Dauer des Praktikums vorgegeben, ob es an einem Stück abgeleistet werden muss oder ob andere Formalitäten zu beachten sind.

Gelegentlich gibt es auch die Möglichkeit, nur einen Teil des Praktikums vor Studienbeginn abzuleisten und den anderen Teil während des Studiums. Falls dies möglich ist und du es in Betracht siehst, solltest du jedoch bedenken, dass während des Semesters kaum/keine Zeit neben dem Studium bleibt und häufig in den Semesterferien andere Pflichtveranstaltungen oder gar andere Pflichtpraktika anstehen.

Achtung

Falls deine Wunsch-Hochschule ein Vorpraktikum fordert, kümmere dich rechtzeitig um weitere Infos und auch den Praktikumsplatz. Je nach Hochschule ist die notwendige Dauer des Praktikums durchaus recht lang – 8 Wochen sind Durchschnitt, würde ich schätzen. Zudem sind die Praktikumsplätze in Architekturbüros für Schüler/innen sehr, sehr, sehr rar.

Auch wenn kein Vorpraktikum verbindlich gefordert wird, so ist es doch eine lohnenswerte Investition. Das Architekturstudium ist zwar praxisbezogen, aber dennoch kommt die Praxis häufig viel zu kurz. In einem Vorpraktikum kannst du a) herausfinden, ob der Beruf Architekt wirklich etwas für dich ist und b) auch einen Blick hinter die rosaroten Kulissen werfen. Du wirst beispielsweise schnell feststellen, wie stressig der Berufsalltag sein kann und das deine Aufgabenbereiche fernab vom ständigen Zeichnen schöner Bilder sind.

Motivationsschreiben

In einem Motivationsschreiben musst du schriftlich erklären, wieso du Architektur studieren möchtest und warum genau an dieser Hochschule. Falls ein Motivationsschreiben verlangt wird, findest oder erhältst du bei der Hochschule meist noch andere Fragen, die du darin beantworten sollst. Oft ist auch der Umfang vorgegeben.

Im Internet findest du gute Hinweise, wie so ein Motivationsschreiben aussehen kann. Zum Beispiel von Sebastian Horndasch bei studis-online.com

Künstlerische Mappe

Mit einer „Mappe“ sind von dir zusammengestellte, künstlerisch-gestalterische Werke gemeint, die du in der Vergangenheit selbstständig angefertigt hast. Durchschnittlich werden 15 bis 30 Arbeiten gefordert, die du meist als Originale in einer Sammelmappe einreichen musst.

Falls du eine Mappe einreichen musst, findest du auf der Website der Hochschule wichtige Informationen, was du darin zeigen sollst, worauf besonders Wert gelegt wird, welche Werke nicht (oder in anderer Darstellungsform) eingereicht werden dürfen und vieles mehr.

Gelegentlich gibt es statt der „freien Themenwahl“ auch besondere Aufgaben oder Themen, zu denen du innerhalb eines bestimmten Zeitraums eine künstlerische Mappe erarbeiten musst. Dies ist zum Beispiel an der Universität der Künste Berlin (UdK Berlin) der Fall. Für die Bewerbung zum Wintersemester 2016/2017 war dies zum Beispiel das Thema „Raumerkundung“.

Vor der Abgabe einer künstlerischen Mappe haben die meisten Studienbewerber Angst. Es gibt jedoch auch Mappenkurse und Mappenberatungen, die von Kunstakademien, (Kunst)-Hochschulen und -Akademien, Volkshochschulen und auch einigen Künstlern und Unternehmen angeboten werden.

Achtung

Für die Erarbeitung einer Mappe und der darin enthaltenen Arbeiten solltest du längere Zeit einplanen. Das können durchaus 6 Monate bis 1 Jahr (oder noch länger) sein. Du solltest also rechtzeitig damit beginnen Werke anzufertigen und diese ordentlich zu sammeln.

"Die perfekte Mappe" – Architekturstudium | vorgestellt auf Architektur-studieren.info

„Die perfekte Mappe“

[Buchempfehlung mit Einschränkungen] Die Tipps zur Erarbeitung und Gestaltung einer künstlerischen Mappe sind in diesem Buch sehr gut und auch hilfreich für Studienbewerber_innen beschrieben.
Die Absätze über das Architekturstudium und den Beruf Architekt_in enthalten jedoch zahlreiche inhaltliche Fehler bzw. sind an einigen Stellen im Buch zu allgemeingültig formuliert.  → Ausführliche Rezension

Showing 10 comments
  • Lily
    Antworten

    Hey, erstmal großes Lob an deine Website und die Zeit die du dir dafür nimmst :)

    Eignungstest HTWK Leipzig 2015 (2. Termin)

    1. Lassen sie ein Bund Stifte auf Ihren Schreibtisch fallen und zeichnen Sie diese ab.
    2. Sie sind in einem Möbelhaus. Vor Ihnen ein Couchtisch, Teppich etc. (Raum wurde beschrieben), zeichnen Sie dies.
    3. (Ausschnitt aus Wikipedia)… Beschreibung eines Orientalischen-5-stöckigen Haremgebäude -> Zeichnen
    4. Welches Gebäude und welcher Architekt hat Sie inspiriert? (Habe das Völkerschlachtdenkmal zu Leipzig skizziert und ein ein paar Architekten und deren Werke aufgezählt, die ich gut finde.
    5. Warum wollen Sie Architekt werden?

    • Anett
      Antworten

      Danke Lily! Sowohl für das Lob, als auch für die Infos zum Eignungstest an der HTWK Leipzig. Die Aufgabe mit dem Haremsgebäude klingt echt schwer… O.O

      • Lily
        Antworten

        Hi,

        also an sich empfand ich es als nicht so schwer. Ich habe mich natürlich auch darauf vorbereitet:
        Zum Geburtstag habe ich das Buch „Architektur-kompakt & visuell“ von Jonathan Glancey geschenkt bekommen. Was ich sehr gut finde ist, dass dieses Buch nicht nur Einblicke in die verschiedenen Epochen gibt, sondern auch länderspezifische. Darunter auch die islamische Kultur. Neben der Chronologie der jeweiligen Epochen sind auch die Stilelemente dieser enthalten (in der Islamischen Welt: Kalligrafie, farbige Fließen, Maurische- & Spitzbögen, Minerette etc.). Da ich mich dafür interessiere habe, las ich ein wenig.

        Bei der Aufgabe bin ich folgendermaßen rangegangen: ich wählte eine Perspektive (leichte Vogelperspektive mit 2 Fluchtpunkten) und habe erstmal ein Kubus hingezeichnet. Danach die 5-Stöcke unterteilt, Fenster und „Tür“ mit Spitzbögen, Ornamenten versehen, das Dach mit der typischen Kuppel, Balkone usw. Schattiert, versucht dem Bild etwas Lebendigkeit zu verleihen. Man wollte die Kreativität des Bewerbers testen.

        Was ich noch sagen kann: die Dozenten der HTWK bevorzugen Freihandzeichnungen, OHNE radieren. Es soll einfach so kommen, wie es kommt. Darüber hinaus ist die Zeit (1,5 h) ziemlich knapp gewesen. Da sollte man das radieren sein lassen.

        Ich hoffe das hilft dir/ anderen Lesern weiter!

  • Lea
    Antworten

    Hallo!
    Großes Danke an dich für diese tolle Website :)
    Ich habe auch einen Eignungstest machen müssen und zum Glück bestanden!
    Bei mir war der erste Aufgabenteil über Bauphysik und Konstruktion. Das war ein Heheft voller Fragen, welches man innerhalb von 20 Minuten beantworten musste. beispielhafte Fragen waren z.B. die Wärmedämmung von verschiendenen Materialien zu vergleichen, man hatte auch Formeln vorgegeben die man anschließend umstellen musste um Werte zu berechnen, Aufgaben zu Schall, Größen von Baugruben berechnen, … alles machbar – die Zeit war vielleicht etwas kurz berechnet.
    Der zweite Teil war praktisch. Aufgaben waren…
    … eine Skulptur die 8 Männer darstellte abzeichnen – man durfte das Bild 1 min ansehen und musste es nach dieser Zeit innerhalb von 3 min abskizzieren
    … ein Haus (Kubus) abzeichnen (räumliche Darstellung), selbe Prozedur wie davor
    … die Konstruktion eines Designerobjektes zeichnerisch darstellen – war ein Stuhl
    … Chapelle Notre-Dame du Haut von Le Corbusier abzeichnen – wieder 1 min ansehen dann 3 min skizzieren, außerdem musste man hier den Architekten nennen, was es für ein Gebäude ist und wo es steht
    … eine geometrische Skulptur (war in Eckansicht als Bild vorgegeben) aus allen 4 Seiten zu zeichnen und die Draufsicht sowie die Ansicht von unten zeichnen – hier war das räumliche Vorstellungsvermögen gefragt
    … auf einem Felsen von 30m Höhe sein eigenes Traumhaus entwerfen, verlangte Zeichnungen waren: einmal auf dem Felsen (war ausgedruckt als Bild vorgelegen), dann eine räumliche Skizze und eigens gewählte Perspektiven/Darstellungen. (Hier habe ich eine Drei-Tafel-Projektion gemacht, eine weitere räumliche Darstellung mit Materialität und einen Grundriss) – Zeit: insgesamt 12 min
    … nach einem vorgelegten Grundriss ein Gebäude in räumlicher Darstellung entwerfen und den Architekten nennen, von dem dieser vorgegebene Grundriss war – dieser war Ludwig Mies van der Rohe – Zeit: 12 min
    Von Bedeutung war die Kreativität zu zeigen, vor allem bei den letzten beiden Aufgaben. Freihandskizzen und -zeichnungen waren wichtig. Radiergummi war nicht erlaubt.
    Hoffe ich konnte dir/den Lesern weiterhelfen!

    • Anett
      Antworten

      Wow, da hattest du echt volles Programm beim Eignungstest! Herzlichen Glückwunsch, dass du ihn bestanden hast!!! Wenn du magst, würde ich mich freuen, wenn du kurz noch ergänzen würdest, an welcher Hochschule der Eignungstest stattfand.
      Liebe Grüße
      Anett

    • Lea
      Antworten

      Der Eignungstest war an der FHWS in Würzburg.

      • Hannah
        Antworten

        Hi Lea,
        weißt du ob der Test immer so schwer ist? Habe mich auch in Würzburg beworben und habe jetzt noch mehr Angst vor dem Test als vorher :/
        Wie hast du dich damals auf den Test vorbereitet?

        • anettring
          Antworten

          Hallo Hannah,

          ich bin nicht Lea (und weiß nicht, ob sie deine Nachricht hier sieht), aber vielleicht kann ich dir helfen. ;) Die Tests ähneln häufig denen im Vorjahr, aber die Aufgaben werden etwas verändert. Durch die Tipps von Lea kannst du dich also gut darauf vorbereiten.
          Das heißt, du wirst eventuell mehrere Dinge aus dem Gedächtnis zeichnen und/oder skizzieren müssen, etwas konstruktiv darstellen, eine räumliche/drei-dimensonale Zeichnung anfertigen müssen, verschiedene Materialien/Oberflächen/Licht&Schatten zeichnerisch darstellen (Schraffuren üben!) und zeigen, dass du dich mit den wichtigsten Gebäuden und Architekten vertraut gemacht hast. Die Aufgaben zur Dämmung waren vermutlich auch für Laien zu beantworten (z.B. kannst du dir sicher vorstellen, dass Schafswolle besser dämmt als irgendeine dünne Metallplatte). Das alles wird ja auch in den Hinweisen zum Eignungstest der Hochschule Würzburg genannt.
          Wenn du dir die Aufgaben von Lily anschaust (erster Kommentar) merkst du, dass diese denen von Lea ähnlich sind.

          Liebe Grüße, Anett (Bloggerin Architektur-studieren.info)

          P.S. Vorbereiten kannst du dich zum Beispiel, indem du zeichnen und skizzieren übst (verschiedene Techniken, verschiedene Darstellungsformen usw.), dich mit den wichtigsten Architekten, Gebäuden, Baustilen und Epochen beschäftigst und auch das Technische Zeichnen (Buchempfehlung*) nicht vernachlässigst.

  • Simon
    Antworten

    Hallo zusammen!
    Ich habe mich vorgestern der Eignungsprüfung für Architektur an der OTH in Regensburg unterzogen und wollte euch ausführlich an meinen Erfahrungen teilhaben lassen.
    Vorab: Es schien als hätte die Prüfungskommission ihr Konzept sehr verändert, wenn man diesen Test mit den Erfahrungsberichten der Vorjahre vergleicht.
    Zum Tagesablauf:
    8 Uhr Anmeldung, 8:45-9:00 Uhr Begrüßung in einer kleinen Halle durch den Dekan der Hochschule.
    Anschließende Pause um in die Räume aufgeteilt zu werden (Ca. 20 Personen in einem Klassenzimmer).
    Um 9:30 Uhr fing die erste Aufgabe an.
    1. Rational-Kognitive Aufgabe (60min)
    Die OTH stellte eine Art „Thema“ für diese Eignungsprüfung, auf welches wir uns bereits mit einer „Hausaufgabe“ vorbereiten mussten, dazu später mehr.
    Das besagte Thema war Waffeln (bzw. wurde das Augenmerk auf leichte, stabile Dinge gelegt) und daher mussten wir in der ersten Aufgabe einen Getränkehalter (So ein Pappding was man z.B. bei Mc’es bekommt, um seine Getränke halten zu können wenn man sein Essen mitnimmt) bzw. Eierschachtel zeichnen (A3). Gefragt waren einige 2D Ansichten sowohl auch 3D Ansichten. Es sollte Wert gelegt werden auf Dinge wie Proportionen, korrekte Perspektive, Oberflächenbeschaffenheit andeuten, usw.
    Ich habe eine Draufsicht, Seitenansicht, eine Isometrie und eine Zweipunkt-Perspektive gewählt.
    Zugegeben, ich war ein wenig überrascht, da man in sämtlichen Vorjahrsberichten nur Dinge liest wie Häuser in Ansichten und Schnitten zeichnen (wie z.B. Le Corbusier, Citrohan o.ä.), dementsprechend konnten man allen Bewerben die Verzweiflung aus dem Gesicht ablesen, da es durchaus eine anspruchsvolle Aufgabe darstellte, denn wer hat sich denn bitte schonmal die Mühe gemacht eine !##!##!!#! Eierschale zu zeichnen?? Aber trotzdem war es „machbar“, aber auch keine Aufgabe, bei der irgendjemand überwältigende Ergebnisse geliefert hat, zumindest von den Blicken, die ich so Erhaschen konnte.
    2. Künstlerisch-Kreative Aufgabe (90min)
    Auch bei der zweiten Aufgabe traf man wieder auf grundlegende Veränderung. Anders als in Vorjahrsberichten beschrieben, dass man etwa ein Ferienhaus entwerfen muss o.ä. und anschließend in Gruppenarbeit etwas basteln/bauen muss, wurde beides irgendwie vereint und man musste in Einzelarbeit etwas entwerfen und bauen, ohne große Zeichenarbeit, nur eine kleine Planungsskizze war gefragt (A3). Die Aufgabenstellung war also, sich ein Objekt vorzustellen, und versuchen es in irgendeiner Art zu verbessern. Danach stellte sich allerdings heraus, dass dies nicht allzu streng genommen wurde, und die Mehrzahl der Bewerber baute einfach irgendwas. Irgendwas, dass irgendeine Funktion hat oder cool aussieht. Ich weiß, das hört sich etwas komisch an, aber zerdenkt es nicht zu stark, stellt euch einfach vor, ihr müsst innerhalb 90min etwas grob zu Papier bringen und dies dann mittels eines etwa 1,5mm dicken Papppapiers verwirklichen. Hier, denke ich, wird hauptsächlich getestet, wie der Bewerber an solch eine Aufgabe herangeht. Ob er planerisch und mit Konzept an die Sache rangeht und sich Gedanken macht oder einfach drauf los hackt um zu sehen ob zum Schluss etwas dabei rauskommt. Natürlich steht dabei Kreativität auch im Vordergrund, dieser sind auch keine Grenzen gesetzt.
    3. Das Gespräch (60min)
    Äußert revolutionär ging es auch im anschließenden Gespräch zu, jeweils 5-6er Gruppen mit zwei Professoren in einem Raum. Es ging nun darum die besagte Hausaufgabe zu besprechen, die es mitzunehmen galt. Kurz zur Hausaufgabe: Etwa 1-2 Wochen vor Testtermin wurde eine PDF an die Bewerber geschickt, in der einige Bilder und ein Paar Worte zum Thema zu finden waren. Aufgabe war es, die Eigenschaften der gezeigten Bauformen irgendwie zeichnerisch darzustellen. Es stellte sich heraus, dass auch hier wieder sämtliche Ausführungen die unterschiedlicher nicht sein hätten können aufzufinden waren, also auch hier keine Grenzen gesetzt.
    Weiter zum Gespräch: Es wurden allgemeine Fragen gestellt, z.B. wieso man etwas so und so gezeichnet hat, verweisen einen ggf. auf Fehler hin und versuchen von ihnen zu erfahren wie es richtig gewesen wäre, deswegen würde ich euch empfehlen, falls es nächstes Jahr wieder so gehandhabt wird, bereitet euch definitiv auf dieses Thema vor. Googelt, lest, fragt. Es ist wichtig, den Professoren das Gefühl zu geben, dass ihr euch intensiv mit der Thematik beschäftigt habt (Konstruktionsarten, bekannte Bauwerke,…). Es wird auch relativ genau ins Detail gegangen, also seid darauf gefasst, dass die Professoren euch zu allem etwas fragen könnten, was ihr auf eurem Papier verewigt habt.
    Nach einer halben Stunde haben wir uns hingesetzt und die Hausaufgaben beiseite gelegt und es folgte eine abwechselnde Fragerunde. Auch hier wie gewohnt mittlerweile ein neues Konzept. Anstelle elementarer Fragen (Man hört es vielleicht aus meiner Wortwahl, ich fand dieses Konzept eher nicht so passend, aber ich bin auch nicht der Professor) wurden uns manchmal etwas seltsamere Fragen gestellt wie…
    … Braucht die Welt mehr Stühle?
    … Wo sahen sie ihre Stärken bei Aufgabe 2?
    Aber auch normalere Fragen, wie…
    … Wo kommen Sie her?
    … Welches Studium käme noch infrage?
    … Was ist Plan B?
    … Warum genau an dieser Hochschule?
    Der Professor stellte die Frage warum er nicht Dinge fragt wie „Warum Architektur, Was interessiert sie daran, usw…“, er selbst antwortete, dass diese eher weniger aussagekräftig darüber seien, ob wir für dieses Studium geeignet sind oder nicht. Ich fand diese Aussage etwas schwammig, da ich es durchaus wichtig finde, welche Beweggründe man hat, dieses Studium anzutreten. Denn welche Hochschule man wählt, ist meiner Meinung nach zweitrangig, da es wohl kaum mein Traum ist Architektur in Regensburg zu studieren, weil ich den Dom so schön finde, wie es manch anderer Bewerber zum Ausdruck brachte.
    Die Hochschule ist nur Mittel zum Zweck, warum mich das Studium interessiert, das finde ich entscheidender. Schade, dass das nicht so sehr zum Ausdruck kam, aber die werden schon wissen was Sie tun…

    Alles in allem war es nicht so schlimm, aber ich kann jedem Bewerber, egal an welcher Hochschule er sich bewirbt empfehlen, sich nicht zu sehr auf Erfahrungsberichte zu versteifen. Jeder Test und jede Hochschule ist anders. Sonst seit ihr zu verkrampft, wenn es im Test nicht so kommt wie erwartet, denn die Prüfer WOLLEN euch ja überraschen. Wenn jeder von vorn herein wüsste, was auf ihn zu kommt könnte man den Test ja auch sein lassen. Aber glaubt mir, das macht es auch nicht schlimmer, der Test ist ja nunmal auf die Eignung für ein Architekturstudium zurechtgeschnitten, und damit muss man folglich zurechtkommen. Wichtig ist daher nur, sich gut vorzubereiten, aber mit allem, auch unerwartetem zu rechnen. Für die diejenigen, die sich jetzt noch fragen, was sie beherrschen MÜSSEN, hier noch ein zwei Hinweise:
    Auf jeden Fall ganz wichtig ist logischerweise zeichnen:
    -Ansichten verstehen und zeichnen können (Häuser, Gegenstände, usw.). Übt am besten an Objekten Draufsichten, Seitenansichten, Schnitte,…
    -Ebenfalls wichtig ist die Darstellungsfähigkeit, am wichtigsten ist hier die 3D Darstellung.
    Übt am besten Darstellung von Gebäuden, Räumen usw. in Einpunkt, Zweipunkt- Perspektive aber auch Isometrie, Dimetrie,…
    -Weitere Eigenschaften, die man glaube ich von Grund auf haben muss ist sehr gutes räumliches Vorstellungsvermögen, Kreativität und so weiter

    Auch wichtig ist, dass ihr all diese Dinge schnell und unter Zeitdruck beherrscht, da diese bei eigentlich allen Aufgaben extrem knapp bemessen ist. Klar, auch von den Professoren betont, wird keine Perfektion erwartet, es wird nur getestet, ob das Potential vorhanden ist.

    Abschließend zur großen Frage, nein ich weiß leider noch nicht, ob ich den Test bestanden habe oder nicht, die Ergebnisse werden erst in ein Paar Wochen bekannt gegeben.

    Ich hoffe, einen genaueren Einblick verschafft haben zu können.

    • Anett
      Antworten

      Hallo Simon, vielen Dank für deinen ausführlichen Erfahrungsbericht! Ich muss dir allerdings widersprechen, was die Frage zur Auswahl der Hochschule angeht: natürlich ist die NICHT „nur Mittel zum Zweck“. Die meisten Hochschulen haben bestimmte, fachliche Schwerpunkte oder Lehrkonzepte. Mit denen sollte man sich bei der Bewerbung auch auseinander setzen. Zu denken, dass Architekturstudium gleich Architekturstudium ist, egal ob an Hochschule X oder Y, ist grundlegend falsch. ;-)
      Ich wünsch dir viel Erfolg! Anett

Ich freue mich auf dein Feedback!

Send this to a friend