Technisches Zeichnen: Bemaßung und Beschriftung

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Dieser Blogbeitrag ist Teil der 5-teiligen Serie „Architektur zeichnen: Einführung ins technische Zeichnen“:

  1. Einleitung ins Technisches Zeichnen; Entwurfs- und Konstruktionsmaßstäbe
  2. Linienarten und Linienbreiten
  3. Schnittflächen: Schraffuren und Farben
  4. Bemaßung und Beschriftung
  5. Plankopf & Legende

Bemaßungen beschreiben die Abmessungen eines Bauteils oder eines Gebäudes. Neben Längen bemaßen wir in Architekturzeichnungen vor allem Höhen, Radien bzw. Durchschnitte und Winkel.

Die Regeln für die Bemaßung von Bauteilen und Gebäuden sind sehr komplex und du musst wahrscheinlich viel üben, bis du sie richtig beherrschst. Da sie aber festlegen, wie ein Bauteil/Gebäude gebaut wird, sind sie enorm wichtig.

In der DIN 406 und der DIN 1356 findest du die Normen zur Bemaßung.

Einführung ins Technische Zeichnen: Bemaßung | © Anett Ring, Architektur-studieren.info

Das Maß aller Dinge in CAD

Auch CAD-Programme wie Allplan können Bemaßungen nicht vollautomatisch „mit einem Mausklick“ einfügen. Die meisten Gebäude und Bauteile (und auch die Regeln des Bemaßens – wie du gleich merken wirst :-) ) sind einfach viel zu komplex. Somit benötigt auch dein CAD-Programm dein Fachwissen im Technischen Zeichnen und es ist unerlässlich, dass du Regeln und Richtlinien des Bemaßens kennst.

Dennoch ist es mit Allplan natürlich deutlich einfacher, als Handzeichnungen zu bemaßen.

Wie einfach, erfährst du im 5. Allplan Quickstart-Video. Ich habe dir die entsprechende Stelle im Video eingestellt, aber schau dir, vor allem wenn du Anfänger*in bist, am besten ALLE Allplan-Quickstart-Videos von Anfang an.

Wie du siehst, erzeugt Allplan bei der Längenbemaßung direkt die Maßketten für Öffnungen, Räume, Wandstärken usw. in der richtigen Reihenfolge. Aber dazu gleich mehr…

Elemente der Bemaßung: Maßlinien, Maßhilfslinien, Maßlinienbegrenzungen

Zum Bemaßen einer Zeichnung sind Maßzahlen, Maßlinien, Maßlinienbegrenzungen und Maßhilfslinien erforderlich.

Einführung ins Technische Zeichnen: Bemaßung | © Anett Ring, Architektur-studieren.info

Maßlinien und Maßhilfslinien

Maßlinien zeichnest du als feine Volllinien (siehe mein Blogbeitrag zu den Linienarten und Linienbreiten). Auf deiner Zeichnung müssen sie ca. 10 mm Abstand zu den Körperkanten des Gebäudes bzw. der Bauteile haben. Zwischen verschiedenen Maßlinien hältst du ca. 7 mm Abstand, zudem musst du darauf achten, dass sich verschiedene Maßlinien nicht kreuzen.

Maßlinien zeichnest du parallel zueinander und auch parallel zum bemaßenden Bauteil/Gebäude.

Maßlinien werden etwa 1-3 mm länger als die Maßlinienbegrenzung gezeichnet. 

 

Maßhilfslinien dienen der eindeutigen Zuordnung der Kanten, auf die sich das Maß bezieht. Du zeichnest sie als feine Volllinie mit ca. 7+2 mm Länge. Im Gegensatz zu anderen technischen Zeichnungen werden die Maßhilfslinien nicht bis zum Bauteil verlängert.

Maßlinienbegrenzungen und Maßeintragungen/Maßzahlen

Maßlinienbegrenzungen legen fest, wofür die eingetragene Maßzahl gelten soll. In technischen Architekturzeichnungen stellst du sie meist als 4 mm langen Schrägstrich (45°) oder als 1mm bzw. 1,4mm dicker Punkt dar.

Die Maßzahlen (auch Maßeintragungen genannt) gibst du in Bauzeichnungen üblicherweise in Meter und Zentimeter an, ohne dass du die Maßeinheit nennst. Statt „24 cm“ also nur „24“. Um Verwechslungen entgegen zu wirken, werden alle Maße unter einem Meter in Zentimeter und alle über einem Meter in Meter angegeben. Viel ergibt sich auch aus dem Kontext und Erfahrungswerten. So ist jedem klar, dass die Wand aus Mauerwerk 24 cm und nicht 24 m stark ist.

Nicht-Ganze Zahlen (also Nachkommastellen) setzt du zudem hoch oder verwendest ein Dezimalzeichen. Statt „11,5 cm“ schreibst du also „115“ oder „11,5“. Allplan verwendet einen Punkt als Dezimalzeichen, wie du hier in meinen Beispielbildern siehst. Das geht, wird aber nicht empfohlen. ;-)

Die Maßzahlen platzierst du in der Regel mittig zwischen die Maßhilflinien. Falls Platzmangel herrscht, setzt du sie nach außen. Um sie möglichst komfortabel ablesen zu können, trägst du die Maßzahlen in die beiden Hauptleserichtungen (von unten und von rechts) in deine technischen Zeichnungen ein.

Besonderheiten beim Bemaßen von…

Längen

Die Maßketten zur Angabe von Längen entwickeln sich „von innen nach außen“ Folgende Reihenfolge musst du also einhalten:

  1. Pfeiler und Öffnungen bemaßt du auf den dem Bauteil oder Gebäude am nächsten liegenden Maßlinien,
  2. auf den darauf folgenden Maßlinien definierst du Innenmaße („Raummaße“) und Wandstärken,
  3. anschließend Vor- und Rücksprünge,
  4. und auf den außen liegenden Maßlinien die Gesamtmaße bzw. die Außenmaße des Gebäudes oder Bauteils.
Einführung ins Technische Zeichnen: Bemaßung | © Anett Ring, Architektur-studieren.info

Öffnungen

Um z.B. Fenster und Türen zu bemaßen, gibst du die Öffnungsbreite über der Maßlinie und die Öffnungshöhe unter der Maßlinie an. Die Höhe der Brüstung (Rohbauhöhe über der Oberfläche des Rohfußbodens) von Fenstern wird direkt neben das Fenster als „BRH“ notiert. Also beispielsweise „BRH 875“ für eine Brüstungshöhe von 87,5 cm.

Höhen

Wir bemaßen in Architekturzeichnung z.B. die Geschosshöhen, lichte Raumhöhen, die Höhen von Türen, Fenstern oder Brüstungen.

Die Maße werden in Schnitten in Maßketten angegeben, wie du sie für die Längen-Bemaßung kennengelernt hast, oder mit der speziellen Höhenmarke: dem gleichseitigen Dreieck.

  • Ein schwarz ausgefülltes Dreieck ( ▲ oder ▼) gibt Rohbaumaße an,
  • ein weißes Dreieck (△ oder ▽) die Fertigungshöhen.

Die Maßzahlen stehen jeweils ober- und unter den Dreiecken. Das + oder – vor der Maßzahl bezieht sich auf die Höhe ± 0,00
In der Regel ist das die Oberfläche der Fertigkonstruktion des Fußbodens im Erdgeschoss (OK FFB EG).

Weitere Besonderheiten gibt es zum Beispiel noch beim Bemaßen von Winkeln, Radien und Durchschnitten. Diese zu beschreiben würde aber leider den Umfang dieses Blogbeitrags sprengen. Ich werde dir aber am Ende der Beitragsserie einige Bücher empfehlen, die sehr gut die Feinheiten und Kniffe des Technischen Zeichnens beschreiben.

Beschriftung von Räumen und Maßen

Natürlich ist auch die Beschriftung in Technischen Zeichnungen genormt. Durch die Verwendung von CAD-Programmen ist das Wissen darum aber relativ unbedeutend geworden. Die mir bekannten CAD-Programme setzen die Schrift entsprechend den Normen automatisch ein.

Deshalb nur kurz die wichtigsten Regeln, die du beachten solltest:

  • Die Beschriftungen müssen gut lesbar gestaltet sein. Also am besten in schwarzer Farbe, mit nicht zu dünnen Schriften und in gut lesbarer Größe.
  • Zudem sollten sie zweckmäßig in der Technischen Zeichnung angeordnet werden.
  • Verwende möglichst wenig unterschiedliche Schriftarten. In Technischen Zeichnungen ist eigentlich die „Normschrift“ (definiert in der DIN ISO 3098) üblich, die es auch als Schriftschablonen gibt.

TIPP

Wenn du die Normschrift per Hand und ohne Schablone üben möchtest, findest du in meinem kostenlosen E-Book „Einführung ins Technische Zeichnen“ Übungsblätter und weitere Informationen.

TRANSPARENZ: Dieser Artikel entstand auf meine Anfrage in Kooperation mit Allplan. Bei der Umsetzung des Artikels hatte ich freie Hand.

Anzeigen von 2 Kommentaren
  • Walter Kalweit
    Antworten

    Hallo, habe eine Frage (kann nirgendwo passendes finden)

    Habe mir angewöhnt (nicht nur bei TZ), alles von rechts Lesbar zu halten (wenn etwas vertikales ist, also Kopf auf die linke Schulter:)

    Weis nicht, woher ich diesen Splin habe hähä
    Ist das (zumindest bei Skizzen) korrekt?

    • Anett
      Antworten

      Hallo Walter, ja, das ist korrekt und kein Spleen von dir. Steht sogar im Blogbeitrag oben: „die beiden Hauptleserichtungen (von unten und von rechts)“ 😃

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