Und was machst du so, Silke?

Der berufliche Schwerpunkt der selbstständigen Architektin und Büroinhaberin Silke Fuchs ist Bauen im Bestand. Ich habe sie über die Initiative „Frau liebt Bau“ kennengelernt, wo sie am Weltfrauentag die Moderation der Expertinnenrunde übernahm. Hier im Interview spricht sie über ihren Berufsalltag und ihren Berufseinstieg nach dem Architekturstudium.

Wenn du mehr über Silke und Bauen im Bestand erfahren möchtest, empfehle ich dir ihre Facebook-Seite und ihren Instagram-Account, auf denen sie uns regelmäßig Einblicke hinter die Kulissen gibt.

Hast du mehr Fragen an sie? Schrieb sie uns doch hier in die Kommentare.

Und was machst du so, Silke? #wasmitarchitektur | © Anett Ring, Architektur-studieren.info

1. Hallo Silke! Beschreibst du uns kurz, was du beruflich machst, wo und in welchem Bereich du arbeitest?

Ich bin leidenschaftliche Architektin in Metzingen und Inhaberin des Architekturbüros „Architektin Silke Fuchs“. Der Schwerpunkt meiner Arbeit ist Bauen im Bestand. Das heißt, ich schaue mir an was schon da ist, überlege was man weiterverwenden und optimieren kann und an welcher Stelle es klug sein kann, über Neues nachzudenken. Kurz gesagt: Wo ist ein Umbau, wo eine Modernisierung und wo ein Anbau die beste Lösung.

Meinen Fokus lege ich dabei auf Individualität, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit. Themen wie Energieeffizienz, Barrierefreiheit, Brandschutz, Kosten- und Terminplanung, Wohngesundheit und Gestaltung sind Gegenstand meiner ganzheitlichen Betrachtung und Planung.

2. Wann und wie beginnt dein Arbeitstag?

In der Regel beginnt mein Arbeitstag um 7.30 Uhr, wenn meine Jungs das Haus verlassen haben. Bei einer Tasse Kaffee lese ich dann Blogartikel zu fachlichen Themen, Marketing, Unternehmensführung, Mitarbeiterführung oder was mich eben gerade so beschäftigt. Ab ca. 8.30 Uhr bin ich in meinem Büro und bearbeite meine Projekte oder bin auf meinen Baustellen.

3. Was sind typische Aufgaben in deinem Berufsalltag? Womit verbringst du die meiste Zeit?

Ich arbeite viel am Computer und erarbeite für meine Bauherren Lösungsmöglichkeiten für ihre individuelle Fragestellung. Das sind zum einen textliche Ausarbeitungen, in denen ich meine Gedanken zum „Für und Wider“ festhalte, als auch CAD-Zeichnungen, in denen ich meine Überlegungen visualisiere. Telefonate mit Planungspartnern, Handwerkern und Behörden gehören ebenfalls zu meinen täglichen Aufgaben.

Während der Planungsphase verbringe ich die meiste Zeit damit, Lösungen zu finden, wie die Wünsche meiner Auftraggeber umgesetzt werden können. Ich behalte dabei die vielen unterschiedlichen gesetzlichen Vorschriften, die Kosten und die Termine im Blick.

Im nächsten Schritt gilt es dann Handwerker zu finden, die über die notwendigen Kompetenzen und zeitlichen Kapazitäten verfügen.

Während der Bauphase bin ich regelmäßig auf der Baustelle und stehe den Bauherren und Handwerkern als Ansprechpartner für Fragen und Unvorhergesehenes zur Verfügung. Telefonisch halte ich die nachfolgenden Handwerker über die Ausführung auf dem Laufenden. So weiß dann jeder ziemlich genau darüber Bescheid, was gerade so los ist.

4. Welche Aufgaben erledigst du am liebsten? Warum?

Mit der Ausarbeitung von Machbarkeitsstudien und dem Entwickeln von Konzeptionen beschäftige ich mich am liebsten, weil ich dabei die Möglichkeit habe, ein Thema von unterschiedlichen Seiten zu durchdenken.

Die Vorbereitung der Schlussbesprechung zum Projektende mit meinen Bauherren ist für mich ebenfalls immer ein ganz besonderer Moment. Im Zeitraffer durchlebe ich da nochmal den kompletten Prozess vom ersten Strich auf dem Papier bis zum fertigen Ergebnis. Das Gefühl zu erleben, dass da etwas in deinem Kopf entstanden ist, das jetzt Realität geworden ist und jemandem das Leben schöner, einfacher oder sonst irgendwie angenehmer macht, ist einfach fantastisch.

 

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5. Welche Aufgaben erledigst du nicht so gern? Warum? Und wie motivierst du dich dazu, sie zu erledigen?

Angebote und Rechnungen schreiben macht mir wenig Spaß. Ich mag lieber meine Arbeit als Architektin machen. Um mich für diese Arbeit zu motivieren, stelle ich mir vor, was ich mit meiner Familie von meinem erarbeiteten Geld unternehmen kann.

6. Was stresst dich?

Menschen die jammern und Daueropfer sind sowie Auftraggeber, die Rechnungen nicht bezahlen, für alles eine „bessere“ Lösung haben oder immer jemanden kennen, der sowieso besser weiß wie es geht.

7. Wann beendest du normalerweise deinen Arbeitstag?

In der Regel endet mein Arbeitstag im Büro zwischen 15.30 Uhr und 17 Uhr. Das ist die Zeit, wenn meine Kinder aus der Schule nach Hause kommen. Ich gehe dann nach Hause und schaue, ob da gerade „irgendwo der Schuh drückt“ oder sonst etwas wichtiges ansteht.

Meist mache ich mir ab ca. 19 Uhr den Laptop für zwei bis drei Stunden an und recherchiere nochmal zu den unterschiedlichsten Fragestellungen oder beschäftige mich mit Anliegen in diversen Gruppen in Social Media, die mir wichtig sind.

8. Aus welchen Gründen hast du Architektur studiert?

Architektur ist für mich gebaute Zukunft. Der Umgang mit unserer Umwelt und unserer Gesundheit empfinde ich an vielen Stellen verantwortungslos und falsch. Meine Arbeit als Architektin gibt mir die Möglichkeit, mit meinen Bauherren über Themen wie Recyclingfähigkeit von Materialien, Energieaufwand bei der Herstellung von Baumaterialien, Schadstoffbelastungen in Innenräumen, Anordnung und Gestaltung von Aussenräumen, Innenräumen und bis zur Ausführung im Detail ins Gespräch zu kommen und sie für die Folgen von „billiger“ Bauweise zu sensibilisieren. Ich bin überzeugt davon, dass verantwortungsvolle Architektur die Welt ein bisschen besser machen kann.

9. Beschreibe uns kurz deinen beruflichen Werdegang bis heute. 

Nach meinem Realschulabschluss habe ich zunächst eine Ausbildung zur Bankkauffrau gemacht. Auf dem 2. Bildungsweg folgte das Fachabitur (Wirtschaft) und anschließend das Architekturstudium (9 Semester). Ich startete in den Berufsalltag in einer Festanstellung in einem Architekturbüro (2 Jahre). Nach der Mutterschutzzeit meines ersten Sohnes begann ich als Freie Architektin eigene Projekte zu bearbeiten. Das ist bis heute so geblieben.

Während dieser Zeit habe ich mir insbesondere im Bereich der Energieeinsparung mit Weiterbildungen ein umfangreiches Wissen angeeignet. Nach der Ausbildung zum Energieberater im Jahr 2003 folgte die Zertifizierung zum Passivhausplaner im Jahr 2015 – sicher die bedeutendste Fortbildung für meine tägliche Arbeit.

In all den Jahren war für mich neben der Wissensaneignung in der Theorie immer Learning by Doing sehr bereichernd. So kamen dann in den letzten Jahren Themen wie Brandschutz und Barrierefreiheit in meiner täglichen Arbeit dazu.

Die meisten meiner Entscheidungen für meinen beruflichen Werdegang waren Bauchentscheidungen. Ich habe mich schlussendlich einfach immer wieder auf neue Herausforderungen eingelassen und auf Grundlage der gemachten Erfahrungen dann entschieden, was für mich in Zukunft wichtig ist und was nicht.

Für eines war mein Architekturstudium definitiv gut: ich habe dort gelernt mit Kritik umzugehen und auf Termin Unterlagen fertig zu machen. Das war während des Studiums oft hart, unangenehm und mit Schlafmangel verbunden – aber am Ende war da immer das Gefühl des Stolzes und das Wissen, etwas durchgehalten und geschafft zu haben, allem Widerstand zum Trotz. Ich glaube, das kann man nicht oft genug „trainieren“.

 

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10. Was rätst du Studierenden, wenn sie deinen Karriereweg einschlagen möchten?

Ich empfinde den Wissensaustausch in meinem Netzwerk als unbezahlbar wertvoll. Meine Empfehlung ist daher, so früh wie möglich zu beginnen, ein Netzwerk in unterschiedlichste Berufssparten aufzubauen. Meine Erfahrung dabei war und ist „alles was du gibst kommt irgendwann auf irgendeinem Weg zu Dir zurück“.

Umgib Dich mit Menschen, die dich auf Deinem Weg unterstützen und vertraue auf Deine Fähigkeiten. Du bist bis hierher in Deinem Leben gekommen und kannst noch viel mehr schaffen. Glaub an Dich – wenn Du es nicht tust, wer soll es dann tun?

Vielen Dank Silke, dass du dir die Zeit genommen hast!

Hast du weitere Fragen an Silke? Schrieb sie unten in die Kommentare!

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